Studienfahrt Ravenna 2007
ein Erfahrungsbericht
Bilder folgen, ich hatte selber keine Kamera dabei aber bekomme noch Bilder.
Donnerstag
Nach der Matheprüfung gings Abends nach München in den Nachtzug nach Bologna, von dem aus es weiter nach Ravenna gehen sollte. Die Zugfahrt war (wie erwartet) feucht-fröhlich und vor allem sehr lang. 13 Stunden Zugfahrt sind kein Zucker schlecken, besonders wenn man keinen Schlafwagen, sondern einzelne Abteile hat. Der Zug war aber relativ leer, sodass wir (23 Schüler +2 Lehrer) im Wagen ausbreiten konnten und jeder einen Schlafplatz fand, wenn auch wenig komfortabel
Freitag
Der Tag begann für mich früh um ca. 6Uhr, als ich wieder aufwachte. Total verspannt aufgrund der nicht fürs schlafen geeigneten Plätze. Der Rest der Zugfahrt verlief ruhig, alle waren noch etwas fertig von der langen Nacht. Um kurz nach 10Uhr erreichten wir Ravenna und verpassten um wenige Minuten den Bus zum Campingplatz. Nach einer weiteren Stunden warten gings dann endlich weiter um klimatisierten, aber sehr engen Bus. Nochmal 45 Minuten Fahrt und endlich hatten wir den Campingplatz direkt an der Küsten erreicht. Die Bungalows waren schnell verteilt und jeder richtete sich ein. Wir waren nur zu dritt im Bungalow und ich und einer meiner Mitbewohner überließen dem dritten das Doppelbett (aus taktischen Gründen – er hätte wohl schon am selben Abend nicht mehr in das Stockbett getroffen), ich nahm den oberen Teil des Stockbettes. Das war alles andere als stabil und wackelte jedes mal, wenn man sich umdrehte.
Als Programm stand heute eine Stadtbesichtigung von Ravenna auf dem Programm. Zuerst gings über die Einkaufsstraße zum Mausoleum von Dante, Italiens bekanntestem Dichter. Zuerst wollten wir eine Taufkapelle besuchen, aber wir hatten den Schließung nur um wenige Minute verpasst.
Weiter gings zu einem Platz, auf dem eine Statue des italienischen Nationalhelden Garibaldi stand. Einer unserer Lehrer erzählte noch die grobe Geschichte, bevor es weiter in die Stadt zum Einkaufen ging.
Abends gings an einer ca. 6km entfernte Pizzeria, die auch noch ausgesprochen gut war. Weniger gut war allerdings die Abendunterhaltung in Form einer Band, die so laut spielte, das jede Konversation in schreien ausartete. Ich war noch etwas geschlaucht von der Zugfahrt, weshalb ich nach dem Essen zurück und gleich ins Bett ging – ein Teil der Gruppe erkundete noch die Bars in der Umgebung.
Samstag
Am Morgen gabs zum ersten Mal italienische Brötchen zum Frühstück, die aber eher Fladenbrot ähnelten. Heute sollte es zum Kajakfahren gehen, in zwei Gruppen aufgeteilt. Da ich fast den ganzen Vormittage verschlief kam ich erst am Nachmittag dran. Nach einer kurzen Busfahrt gings zu Fuß weiter zu den Kanälen vor Ravenna. Überall hingen Fischernetze, die aber nicht sonderlich Vertrauens erweckend aussahen. Als wie endlich die Hütte unseres Kajak-Führers erreicht hatten (laut unbestätigten Angaben ein ehemaliger italienischer Meister im Rudern) wurde wir in zweier Gruppen aufgeteilt und bestiegen unsere Gefährte. Die Fahrt dauerte fast 2 Stunden und war für uns ungeübte Ruderer sehr anstrengen. Fast schon entspannt ruderte unser Führer immer wieder an uns vorbei, von Anstrengung keine Spur. Die Technik machts eben. Als wir wieder ausstiegen war jeder voll mit Salzwasser, was sich deutlich an meiner dunklen Hose abzeichnete. Die Muster gaben einen, sagen wir mal zweideutigen Hinweis auf das, was wir vorher gemacht hatte.
Weiter gings zu Fuß in ein kleines Touristendorf, ca. 4km vom Campingplatz entfernt. Dort kauften wir für den Abend ein, an dem wir Grillen wollte.
Und dann ging das Dilemma los. Nachdem in der vorhergegangenen Nacht schon einige mit Schnakenstichen zu kämpfen hatte, war es heute eine echte Plage. Am helllichten Tag setzten sich die Viecher auf jede freie Stelle des Körpers und stachen zu. Hier in Deutschland sieht man keine Schnake sobald man das Licht anmacht, in Ravenna schien das die Viecher nicht zu jucken. Ich hab die Stiche nicht gezählt, aber ich denke mit ca. 50 liege ich nicht ganz falsch, andere erwischte es noch schlimmer. Der Rest des Abends verbrachten einige in Bars und Diskotheken, andere am Strand.
Sonntag
Der Tag begann stürmisch, zu mindestens dem Temperament eines Zeltplatznachbarn nach. Der Lief morgens um zwei Bungalows und schlug gegen die (sehr dünnen) Holzwände und bewarf sie mit Steinen. Unserer Lehrer konnte ihn etwas beruhigen und fand auch den Grund heraus: scheinbar haben ein paar unserer Kameraden in der Nacht noch Krach gemacht, aber davon wusste komisch erweise keiner etwas. Von Zuständen wir im Kasino oder im Bordell war da die Rede, was niemand nachvollziehen konnte.
Heute stand ein Radtour ins Naturschutzgebiet vor Ravenna an. Da die meisten aber noch müden von der langen Nacht waren, fanden sich (mich eingeschlossen) nur drei Schüler, die dann zum Fahrradverleih aufbrachen. Irgendwie habe ich den verdacht dass uns der Händler eine reinwügen wollte, denn er kramte die ältesten Schrottfährräder raus, die man sich vorstellen kann. Zwei meiner Kollegen musste mit Fahrrädern ohne Gangschaltung kämpfen, ich hatte zwar eine, die aber erst ca. 500m nachdem ich den Hebel betätigt hatte schaltete. Mit den Bremsen hatte jeder zu kämpfen, ebenso wie den Schnaken. Das Naturschutzgebiet ist wenn man es genau nimmt nur ein einzige Sumpf. Zwar konnte wir auch einige sehr scheue Wasserschildkröten erspähen, aber die Fliegen waren wieder deutlich in der Überzahl.
Wir kürzten die Tour stark ab, da wahrscheinlich keiner von uns den ganzen Weg in der brütenden Sonne bei über 30° überstanden hätte. Es ging wieder zurück zum Campingplatz, auf dem die meisten in der Zwischenzeit wieder aufgewacht waren. Den Tag verbrachte ich mit ausruhen, da es doch sehr anstrengte, obwohl normalerweise hier oft mit dem Fahrrad unterwegs bin.
Abends gings noch einmal in die Pizzeria, nicht zuletzt um eine weitere Konfrontation mit unseren heißblütigen italienischen Nachbarn zu vermeiden. Diesmal gab es kein Band, aber der Schnaps ging schnell aus – am Abend vorher war eine ca. 500 Mann starke Gruppe da, die seine Vorräte fast auf brauchte, erklärte und es wird. Eine Erwähnung verdient noch die Speisekarte. Diese war zweisprachig, in italienisch und Google-Deutsch. Kein Witz, es waren nur die Wörter übersetzte, die Satzstruktur war noch die italienische. Außerdem war darin keine deutsche, sondern eine belgische Flagge abgebildet. Diese schlechte Karte und unseren mangelnden italienisch Kenntnissen zum Dank bestellten einige aus Versehen nur ein Vorspeiseteller Nudeln und wunderten sich, warum es so wenig war. Da wir die letzten waren konnten wir noch beobachten, wie die Belegschaft nach getaner Arbeit noch die Reste vernichtete.
Der Tag endete für mich am Strand, den einige zum Nachtbaden nutzten. Ich durfte nicht, da ich mir erst vor kurzem einen Leberfleck entfernen ließ und das Salzwasser Gift für die Wunde währe. Gegen 3Uhr schleppte ich mich dann ins Bett, da ich schon fast im Sitzen ein schlief.
Montag
Der letzte Tag brach an. Heute stand nichts besonders mehr auf dem Programm, also war erstmal chillen angesagt. Da es auch noch sehr heiß war und ich immer noch von der Radtour am Vortag geschlaucht schien, blieb ich erstmal im Schatten, während die anderen an den Strand gingen; ich hätte wahrscheinlich eine Hitzschlag bekommen. Gegen später kochten wir dann (Gnocchi, Makkaroni und Tomatensauce), dann sollte es ans Aufräumen gehen. Hier wurden wir uns zuerst nicht einig. Eigentlich sollte jeder Bungalow einmal Abspülen, aber der letzte hatte seinen dermaßen verwüstet, dass sie befürchteten, nicht mehr rechtzeitig mit dem Aufräumen fertig zu werden. Ich erbarmte mich dann und spülte zusammen mit meinen zwei Mitbewohnern ab. Als wir wieder zurück kamen blickte ich zum letzten Bungalow und was sah ich? Die waren nur am Kartenspielen. Danach war ich tierisch angepisst: da verschafft man ihnen Zweit ihren Hintern zu retten, und was machen sie? Karten spielen – also ob es sonst nichts wichtigeres geben hätte. Erst danach finden sie mit dem Aufräumen an – da hätte ich mir den Mist auch sparen können. Ich hatte schon geahnt dass sie sich nur vom Spülen drücken wollen, aber dass sie es so ausnutzten hätte ich nicht gedacht. Ich merke mir das falls ich sie mal wieder sehe… ich bin ein äußerst Nachtragender Mensch…
Nun ja, da ich den halben Tag schon hin und wieder etwas aufgeräumt und zusammengepackt hatte war ich ca. eine halbe Stunde vor dem Ultimatum unseres Lehrer fertig und konnte mich noch meinen Schnakenstichen widmen. Anschließend ging es wieder nach Ravenna, wo noch ein Gruppenfoto gemacht wurde bevor es wieder nach Bologna zum Nachtzug nach München ging.
Die Fahrt von München war anstrengender als die Hinfahrt, da wir keine Platz hatten, uns über unsere Reservierungen auszubreiten. Also verbrachte ich die Nacht mit fünf Mitschülern in einem Abteil und schlief keine Minute. Erst in München, nach einem kleinen Frühstück, als wir in den Zug nach Donauwörth umstiegen konnte ich etwas entspannen. Aber richtig schlafen konnte ich erst wieder daheim, wo ich um ca. 11Uhr am nächsten Tag ankam.
Insgesamt hat es mir sehr gut gefallen. Noch besser währe es sicher gewesen, wenn ich auch mal ins Meer hätte gehen können, aber ich wollte eine Entzündung Wunde an meinem Oberschenkel vermeiden. Etwas enttäuscht war ich von unserer zweiten Lehrkraft und Aufsichtsperson. Dieser hatte seine, zwei drei Spezel unter den Schülern mit denen er bis spät in die Nacht die Bars und Diskotheken in der Umgebung unsicher machte, um den darauf folgenden Tag fast komplett zu verschlafen – das war für eine Aufsichtsperson alles andere als Angemessen und er ließ seinen Kollegen ziemlich hängen.





