StarCraft 2 ohne LAN
Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe – Blizzard will StarCraft 2 ohne einen LAN-Modus veröffentlichen, Multiplayerspiele werden damit nur über die Hauseigene Battle.net-Plattform möglich sein. Rob Pardo hat im Interview mit inStarCraft.de wohl eher unabsichtlich die Bombe platzen lassen, seine Kollegen Dustin Browder und Chris Sigaty hielten sich diesbezüglich eher bedeckt. Sie haben wohl mit dem negativen Echo der Community gerechnet, eine Internet-Petition dafür hat zur Stunde fast 50.000 unterschriften. Was hat Blizzard aber dazu bewegt diesen Schritt überhaupt zu tun?
Nun, das größte Problem heutzutage mit Videospielen ist die Piraterie. Spiele, Filme, Programme und Musik werden im Internet zahlreich auf Tauschbörsen und andren Seiten geboten, zum Kostenlosen download, voll funktionsfähig. Da ich selber Programmiere weis ich, was für eine Arbeit das ganze ist und haben für die teils gewissenlose Praxis kein Verständnis. Das Blizzard versucht sich davor zu schützen ist deswegen gerade bei einem so heiß erwarteten Spiel wie StarCraft 2 nur verständlich. Kopierschutzmechanismen sind deswegen auch weit verbreitet, angefangen bei relativ harmlosen CD-Check über kreative Lösungen wie Räselscheiben (Ankh2, Monkey Island) und Würfel (The Whispered World), weiter zu den heute fast schon zum Standard gewordenen Online-Aktivierungen (das gesamte Protfolio von Electronic-Arts, Anno 1404, etc) bis zum festen Binden des Spiels an einen Account (Steam, Impulse). Blizzard hat in der Vergangenheit sogar den CD-Check bei StarCraft und WarCraft 3 per Patch entfernt, was ihnen wieder einige Sympathie Punkte in der Community eingebracht hat. Jetzt sind sie drauf und dran ihren bisher makelosen Ruf in der Community zu verspielen – wegen der Piraterie?
Ein Dorn im Auge von Blizzard sind sicherlich die Onlineplatformen dritter, namentlich ICCup und HaoFang. ICCup basiert auf dem Abyss-Server, ein Klon des Battlenet und nutz auch diese Schnittstelle. Das entfernen der LAN-Schnittstelle bringt hier also gar nichts. Aber warum sind Server die PGTour, Gamei und Abyss überhaupt entstanden? Nun, das Battlenet von StarCraft und Broodwar ist bis heute nicht wirklich gut. Die offizielle Ladder war nur von 9000-0 Cheater Accounts überschwemmt, dazu kam der große Lag im Spiel. Die Drittserver haben das nicht, zumindest den Lag. ICCup verfügt über eine Anti-Cheat Software, wie viel sie wirklich gebracht hat weis ich aber nicht. Aber: währe das Battlenet brauchbar würde es solche Server gar nicht geben – bei WarCraft 3 funktioniert es doch auch. Aber ein Problem dürfte die chinesische Plattform HaoFang sein: sie emuliert eine Art Mini-Battlenet mit maximal 255 Spielern, die über die LAN-Schnittstelle von StarCraft realisiert wird. Damit (und auch auf allen anderen Drittservern) kann mit Raubkopien gespielt werden, was nicht im Sinne von Blizzard ist. In China ist StarCraft sehr beliebt, vielleicht nicht so stark wie in Süd-Korea, aber nah dran. Wenn nur 10% der HaoFang Nutzer sich eine legale Kopie kaufen würden würde dass einiges an Geld in Blizzards Kassen spühlen. Ohen die LAN-Schnittstelle würde HaoFang nicht mehr funktionieren, die Nutzer müssten zwingend ins Battlenet um gegen andere zu Spielen.
Blizzard schränkt die ehrlichen Kunden also ein um die Raubkopierer dazu zu bringen, sich die Spiele zu kaufen. Was Blizzard vergisst ist dass sie die nur sehr schwer konvertieren können – vor allem da es zu 100% sicher ist dass spätestens ein paar Tage nach dem Release eine voll funktionierende Version auf den gängigen Tauschbörsen und sonstigen Untergrundseiten auftauchen wird. StarCraft 2 ist kein völlig unbekanntes Spiel dass von ein Hinterhof-Programmiererteam entwickelt wird, sondern der lang ersehnte Nachfolger eines der erfolgreichsten Spiele aller Zeiten. Dementsprechend werden auch mehr Cracker sich dransetzten die Schutzmechanismen auszuhebeln – sei es der Kopierschutz oder der AntiCheat im Battle.net. Durch die Entfernung des LAN-Modus wird es vielleicht etwas schwerer werden, aber nicht unmöglich. Auch für andere Spiele, die über keinen LAN-Modus verfügen (NFS:Underground) gibt es funktionierende Lösungen aus den Grauzonen des Internets – warum sollte jemand das nicht auch für StarCraft 2 bzw Diablo 3 entwickeln? Das ganze dürfte ziemlich nach hinten losgehen – und aufgrund der Tatsache, dass nur Rob Pardo hier Klartext geredet hat statt wie Chris Sigaty und Dustin Browder sich sehr undeutlich auszudrücken spricht dafür dass sich Blizzard bewusst war wie solch eine Entscheidung in der Community ankommen wird – sie wollten die Entscheidung wohl erst viel später öffentlich bekannt machen.
Zusammenfassung: während ehrliche Käufern ein Feature vorenthalten wird dass eigentlich selbstverständlich ist scheren sich die Raubkopierer keinen deut drum.
Zum neuen Battle.net: Ich denke es wird im Vergleich zu dem von SC1 eine gewaltiger Schritt nach vorne, wahrscheinlich auch sein sehr großer im Vergleich zu dem von WC3. Allerdings spricht Blizzard davon dass es so toll wird dass keiner mehr einen LAN-Modus braucht. Nun, sollte der Packung von SC2 keine Gutschein für einen 100Mbit Glasfaserleitung liegen die mir in die Bude gelegt wird gibt es ein einfaches Gegenargument: nicht genug Bandbreite. Ich wohne in einem der berühmten weißen Flecken, in dem außer ISDN und Satellitenverbindungen nichts geht und sich die Telekom einen shice drum schert, hier was verfügbar zu machen. Stattdessen werden in den Großstädten die kaum ein paar Jahre alten Kupferleitungen rausgerissen und durch Glasfaser ersetzt, damit da jeder mit 50Mbit+ surfen kann, was die wenigsten wirklich brauchen dürften. Ich sitz hier weiter ohne eine annähernd so gut Leitung rum und zahl mich für meine mickrige Bandbreite + 1sec Ping dumm und dämlich. Glücklicherweise legt gerade ein lokaler Anbieter Glasfaser, so dass ich (hoffentlich) bis Ende des Jahres flotter im Internet unterwegs sein dürfte. Allerdings kenne ich die Probleme nach 8 Jahren Schmalband nur zu gut: Warum zum Geier soll ich ins Battle.net wenn ich mit meinen Kumpels eine kleine LAN bei mir im Keller veranstalte? Da gibt’s bei mir Grundsätzlich kein Internet weil sonst jeder nur am rumsurfen ist und keiner mehr spielt – für solche kleinen LANs fällt SC2 flach. Und er Vergleich mit der Dreamhack hinkt gewaltig, da sie ein großes Spektakel ist was eher mit den WCG als mit einer kleinen Keller-LAN vergleichbar ist.
Wo ich beim Thema währe: die großen Turniere – die würden ohne Blizzards Absegnung (und damit spezielle Server) im Battle.net ablaufen – allein die Vorstellung dass Bisu im Spiel gegen Jaedong, im fünften Match der 2011er OSL mitten im Spiel von einem Typen aus dem Bnet angeschrieben wird, er dadurch einen kurzen Moment unkonzentriert ist und das Spiel verliert. Oder dass man (wie bei den Casts von TL.net) vor dem Spiel 100k Trolle bannen muss weil die ins Spiel joinen. Im LAN ist das ganze kein Problem, man ist ja abgeschottet vom Battlenet. Allgemein glaube ich dass die KeSPA das nicht mit sich machen lässt, nicht nach den (teils abstrusen) Entscheidungen die sie in den letzten Monaten gefällt haben (ppp & co). Das dürfte der Tot für SC2 im Profisport sein, da bleibt die KeSPA wohl bei SC1 und SC2 wird in Korea genauso untergehen wie WC3.
Was bleibt am Ende? Eine Community, der von Blizzard wegen Raubkopieren Features vorenthalten werden, was am Ende doch wieder nichts bringen wird. Blizzard setzt seinen sehr guten Ruf in der Community leichtfertig aufs Spiel, ich glaube nicht dass sich das am Ende für sie auszahlen wird. Allerdings muss man auch festhalten dass nicht so heiß gegessen wird wie es gekocht wird, vielleicht gibt es bei Blizzard während oder nach Beta ein umdenken. Spätestens wenn während der Betaphase vollständig lauffähige Kopien von StarCraft 2 auftauchen wird das ganze gegessen und Blizzard einsehen, dass ihr verhalten falsch war. Gute Produkte verkaufen sich (zumindest in den westlichen Ländern) meistens sehr gut – die Leute schätzen gute Arbeit, das sollte das wichtigste sein – stattdessen muss man sich heute als ehrlicher Käufer mit Kopierschutzmechanismen, Online-Aktivierungen und -Zwängen oder einer Bindung an einen Account rumschlagen, was die Raubkopierer nicht die Bohne juckt. Statt die Käufer zu Benachteiligen sollten Blizzard besser seinen sehr guten Service der letzten Jahre fortsetzten, mit neuen MP-Karten, Turnieren und anderen Features für die Käufer – die Raubkopierer können dann mit ihren alten Kopien weiter spielen, das werden sie so oder so.
Links
Blizzard Presstour 2009 – Übersicht auf inStarCraft.de
StarCraft II ohne LAN – Ein Kommentar vom inStarCraft.de Webmaster General_Mengsk
LAN-los im Weltraum – Kolumne von Michael Graf auf Gamestar.de
Onlinepetition “LAN in Starcraft 2 Please.”





