Ein paar Gedanken zu: Fractal Define R5

Wenn man sich einen neuen Rechner kauft scheint klar zu sein auf was man sich konzentriert: in meinem Fall eine fette Achtkern CPU, viel und hoch getakteter Speicher damit die Kernen effizient untereinander kommunizieren können, eine Grafikkarte die zumindest jetzt noch am Highend Segment kratzt und das alles auf einem Mainboard mit vielen Anschlüssen, egal ob innen oder außen. Was mich da am meisten begeistert? Natürlich das Gehäuse! Öhm, was?

Ja richtig gelesen: bei all der Leistungsfähigen Hardware war es mein neues Gehäuse, das mich am meisten begeistert hat. Vielleicht weil die Leistung der CPU und Grafikkarte eher abstrakt ist, trotz aller Leistungssteigerungen in den letzten Jahren haben sie sich die physischen Ausmaße kaum verändert. Selbst Grafikkarten mit ihren mittlerweile massiven Kühlern und mehreren extra Stromanschlüssen sind im Grunde noch ziemlich ähnlich zu den ersten die ich selbst verbaut habe, damals noch mit AGP-Slot. Die letzte wirklich große Innovation waren für mich gefühlt Netzteile mit abnehmbaren Kabeln, das war eine Wohltat die ein wesentlich aufgeräumteres Gehäuse möglich machten, man musste nicht mehr an jeder Ecke Kabel reindrücken oder festbinden damit sie auch da bleiben wo sie hin sollten. Also nicht dass das jemand sieht da ich nie Gehäuse mit Seitenfenster habe, sie stehen bei mir eh nur neben dem Tisch und eine gute Schalldämmung ist mir da wichtiger. Aber ein aufgeräumtes Gehäuse hat doch etwas befriedigendes und ein guter Luftfluss im Gehäuse ist auch nicht zu unterschätzen.
Was ist nun an einem Gehäuse so toll? Zumal mein neues „nur“ der Nachfolger eines älteren ist: ich tauschen ein Define R3 gegen ein Define R5 von Fractal Design. Da kann doch nicht so viel gegangen sein, oder? Oh doch!

Screenshot: Fractal Define R5 von vorne mit geschlossener Tür
Fractal Define R5 von vorne mit geschlossener Tür

Ich habe das R3 nun seit über fünf Jahre im Gebrauch und mochte es im großen und ganzen auch: viel Platz, stabile Verarbeitung, ein zwar etwas unspektakulärer aber aufgeräumter Look und kleine Komfortfeatures: Festplatteneinschübe aus Metall (davor hatte ich welche aus Plastik bei welchen die kleinen Arme so steif wurden das sie bei der Benutzung brachen und das entfernen einer Festplatte eine echte Geduldsprobe wurde), ausgestattet mit kleinen Gummiringen zur Entkoppelung – einfach, unspektakulär, aber sehr effektiv. Kabel konnte durch kleine Gummiabdeckungen hinter das Mainboard geführt werden, wobei manche etwas schlecht platziert waren um recht knapp bemessene Kabel hindurch zu führen, bei mir war speziell der Frontsound der nicht zum Mainboard sondern damals noch zu einer extra Soundkarte geführt wurde ein Problem, der musste dann doch quer durchs Gehäuse gelegt werden. Ist wohl alles eher auf die Anschlüsse am Mainboard direkt ausgelegt, dort wird es zwar trotzdem etwas knapp, sollte aber reichen ohne dass das Kabel komplett gespannt ist. Ein paar Sachen haben mir aber nicht so gut gefallen: zum Beispiel die Einlässe für einen Ausgleichsbehälter einer Wasserkühlung, die waren nur kleine Gummiringen welche in eine runde Öffnung gesteckt wurden und beim Transport regelmäßig heraus fielen oder (noch schlimmer) unabsichtlich ins Innere des Gehäuses gedrückt wurden und ich sie dann da suchen konnte. Dazu störte mich der feste Festplattenkäfig welcher die komplette Front beanspruchte und den Gehäuselüftern an der Front im Weg war, den ganzen Angebotenen Platz brauchte ich aber gar nicht.
Ein Define R4 habe ich auch in Augenschein nehmen können, als sich meine Schwester einen neuen Rechner gekauft hat war das gerade draußen. Veränderungen gab es nur im Detail, es fehlten beispielsweise die Einlässe für den Ausgleichsbehälter einer Wasserkühlung, ansonsten blieb alles beim alten. Sollte das R5 wirkliche eine großer Änderungen mit sich bringen?

Screenshot: Innenansicht mit verbauter Hardware
Innenansicht mit verbauter Hardware

Das R5 steht vor allem in Zeichen eines Wortes: Flexibilität. Ich hatte noch nie ein Gehäuse, welches ich so flexibel konfigurieren konnte, fast alles lässt ich herausmontieren oder anders einbauen wie üblich. Angefangen bei den Festplattenkäfigen: die sind insgesamt drei Stück: ein kleiner mit drei Einschüben für 3,5″ Laufwerk, ein größerer mit fünf der selben Größe und einer mit zwei für 5,25″ Laufwerke ganz oben. Sie lassen sich alle entfernen, was ich mit dem Mittleren gemacht habe damit die Luft vom vorderen Gehäuselüfter besser durch kommt. Drei Einschübe für Festplatten reichen mir, dazu ein Bluray-Laufwerk oben. Entfernt man den obersten wird viel Platz für einen großen Radiator frei, das Gehäuse hat auch Abdeckungen im Deckel welche entfernt werden können. Aber was bringt es wenn man die Festplattenkäfige komplett entfernt? Das wird was für jemanden sein der noch mehr Kühlung braucht und Platz für eine aufwendige Wasserkühlung oder andere Gimmicks braucht. Wer zudem komplett auf ein optisches Laufwerk verzichten kann und auch keine großen 3,5″ Festplatte hat braucht sie ja eigentlich nicht. Mein Mainboard hat einen Platz für eine SSD im kompakten M.2-Format welcher über vier PCI-Express Lanes direkt an die CPU angebunden ist – das Resultat sind satte 3328MB/s Lesen und 1706MB/s schreiben (Seq Q32T1, fünf Durchgänge 1GiB) im CrystalDisk Mark (Samsung Evo 960 500GB). Weitere Laufwerke im 2,5″ Format lassen sich hinter (!!!) das Mainboard montieren – ja richtig gelesen, auf der Rückseite des Mainboardbleches sind zwei Halterungen für Laufwerke im 2,5″ Format angebracht, für Durchlässe von Kabeln ist auch gesorgt. Das ist eine sehr kreative Verwendung von Platz welcher sonst größenteils ungenutzt bleibt oder maximal zu Verlegung von Kabel genutzt wird. Es hat nur einen Preis: das Gehäuse ist ein paar wenige Zentimeter breiter wie das R3, aber aus meiner Sicht nicht weiter schlimm. Für optische Laufwerke hat es eigene Daumenschrauben welche man ohne Schraubenzieher einbauen kann, einfach reindrehen reicht. Es hat dafür mehrere Bohrungen, darunter Langlöcher zur flexiblen Platzierung. 3,5″ Laufwerke werden wie bei Vorgänger auf kleine Metallrahmen geschraubt, die Gummiringe zur Entkoppelung sind aber nicht mehr vormontiert, weil man sie nun auch flexibel platzieren kann. Fünf mögliche Plätze hat es auf jeder Seite, ich habe mich für eine sehr ähnlich zu den vorherigen entscheiden weil ich damit eigentlich sehr zufrieden war. Bohrungen um 2,5″ Laufwerke drauf zu schrauben sind auch vorhanden, hier hat meine zweite SSD Platz genommen.

Screenshot: Rechte Seite mit Öffnung für die Backplate und Halterungen für 2,5" Gerät.
Rechte Seite mit Öffnung für die Backplate und Halterungen für 2,5" Gerät.

Beim Mainboard gibt es nicht viel neues, das meistens entspricht dem Standard: es hat genug Abstandshalter und passende Bohrungen, was mittlerweile wohl auch normiert ist. Einer weicht aber ab, der ist bereits einer Vormontiert bzw. direkt im Metall angebracht welcher nicht festgeschraubt wird – in der Mitte ist das wohl verkraftbar, ich habe nur aufgepasst das ich nicht aus versehen Kratzer ins Mainboard mache. Ein Öffnung um von hinten an die Backplate der CPU zu kommen ist auch da, die brauchte ich aber nicht da auf meinem AM4-Board bereits eine gute und stabile Backplate vormontiert ist – vorbei sind die Zeiten der billigen Kühler welche nur per Plastikhaken eingehakt werden, hier wird ordentlich geschraubt. Das Netzteil ist wie schon einige Zeit üblich im Gehäuse unten untergebracht, über dem Mainboard ist etwas Platz bis zur Decke des Gehäuses. Eigentlich für einen großen Radiator gedacht hilft er beim Einbau da man nicht so schnell die Finger einquetscht. Es sind weitere Gummiabdeckungen verbaut um Kabel hinter dem Mainboard zu verlegen. Dazu hat es auch Ösen und eingebaute Klettbänder um die Kabel zu fixieren, eine Detail was sehr hilft, spart Kabelbinder und Nerven da sie viel einfacher zu nutzten und leicht wiederverwendbar sind. Die kleinen Schutzbleche welche die (PCI-E) Erweiterungsslots bedecken sind wie beim Vorgänger weiß, in klarer Kontrast zum matten schwarz des restlichen Gehäuses.

Screenshot: Detailansicht des Festplattenkäfigs
Detailansicht des Festplattenkäfigs

Für Frischluft sorgen je ein 120mm Lüfter vorne und hinten welche auch passend eingebaut sind um vorne (kühle) Luft anzusagen und hinten auszublasen, Platz für weitere Lüfter ist an der Fronten unten sowie im Deckel. Die Einlässe sind mit Staubfiltern versehen, ein für mich mittlerweile unverzichtbares Features um das Gehäuse und alles darin sauber zu halten, alle paar Wochen mit dem Staubsauger absaugen reicht meistens. Ich glaube dass sie auch waschbar sind, das habe ich aber auch beim Vorgänger nicht ausprobiert. Die Auslässe sind nur Gitter ohne Filter, da hier aber nur Luft raus ziehen sollte ist es hier das kleinere Problem. Die Lüfter sind leise, tun ihren Dienst und werden von meinem Mainboard auch gesteuert.
Die Front selbst ist zunächst unspektakulär, oben hat es einen Einschaltknopf und Resetknopf, zwei Anschlüsse für ein Headset (Audio-Out und Micro-In) für normale 3,5mm Stecker und vier USB-Anschlüsse, je zwei USB 2.0 und 3.0 Anschlüsse. Bei den USB-Anschlüssen brauche ich recht viel Kraft um einen Stecker oder Stick heraus zu ziehen, evtl. ändert sich das noch mit der Zeit. Die Laufwerke und Lüfter sind zunächst hinter einer großen Tür versteckt welche größtenteils aus Kunststoff ist. Türen an Gehäusen waren bei mir in der Vergangenheit oft ein Ärgernis: sie gingen nie in die richtige Richtung auf. Das Problem kann man beim Define R5 auch haben, aber nur bis man die Tür umbaut. Richtig gelesen, man kann die Seite auf welche sich die Tür öffnet ändern – sowas ist mir in noch keinem Gehäuse untergekommen und unterstreicht das Streben der Konstrukteure nach maximaler Flexibilität.

Screenshot: Rückseite des Fractal Define R5
Rückseite des Fractal Define R5

Das Gehäuse an sich ist aus schwarz lackiertem Stahl gefertigt, nur die Laufwerkshalterungen und die Schutzbleche für die Expansionslots sind weiß. Die Verarbeitung würde ich insgesamt als Sehr Gut erachten, mir sind keine scharfen Kanten oder andere Macken aufgefallen. Es ist wenig Kunststoff verbaut, was sich deutlich auf das Gewicht auswirkt: das Gehäuse ist relativ schwer, aber auch sehr stabil. Da LAN-Parties nicht mehr wirklich ein Thema sind bewegen ich meinen Rechner kaum, von dem her stört es mich nicht. Die Seitenbleche sind mit Schaumstoff zur Schalldämmung verkleidet was auch sehr gut funktioniert weil ich den Rechner fast gar nicht höre, da dürfte die aber auch Lüftersteuerung einen gehörigen Anteil haben.
Dem Gehäuse liegt noch eine Menge Montagematerial bei, vor allem jede Menge Schrauben, man sollte für jede erdenkliche Situation und Konfiguration genug haben. Dazu kommen normale schwarze Kabelbinder, welche ich noch nie besonders gerne benutzt habe da man sie nur einmal anbringen kann, sind sie mal fest muss man sie aufschneiden, was etwas knifflig wird wenn man sie stark angezogen haben und man die Kabel nicht beschädigen will. Ich habe da immer auf die weniger festen, dafür wieder zu öffnenden Varianten gesetzt. Eine Anleitung ist auch dabei welche alle nötigen Schritte recht ausführlich zeigt, aber nur als Bild, Text ist so gut wie keiner dabei.
Bei all der Lobhudellei, gibt es auch was negatives? Eher wenig, der eine fest montierte Abstandshalter für das Mainboard vielleicht, da man hier nichts fest schrauben kann und mich beim Einbau eher gestört hat weil der etwas im Weg ist. An der Front hat es mit zwei USB 2.0 und zwei USB 3.0 genügend Anschlüsse, nur wer einen USB-C erwartet hat wird enttäuscht, aber da die noch nicht wirklich weit verbreitet sind sehe ich das nicht als Problem an. Etwas komisch ist dass sie genau andersherum eingebaut sind wie beim Vorgänger, da muss ich mich noch dran gewöhnen. Was eher nervt ist dass die Anschlüsse sehr fest sind, ich brauche sehr viel Kraft um einen Stecker da wieder raus zu bekommen. Vielleicht ändert sich das noch mit der Zeit, aktuell sind sie aber definitiv viel zu fest.

Mein Eindruck: Ich hatte ja schon so einige Gehäuse, vor allem eher einfache weil ich da nie so wirklich viel Wert drauf gelegt habe. Alle hatte immer irgendwo ihre Macken, von schlecht entkoppelten Festplatten (was speziell mit meiner WD Raptor Platte ein Problem war) zu schlechten Lüfterplatzierungen und allgemein engem Raum. Mit dem Define R3 habe ich erstmals etwas höherpreisiges gekauft und war auch sehr zufrieden damit, mit der Ausnahme des starren Laufwerkskäfigs. Das R4 war nur eine Detailverbesserung, das R5 ist aber ein großer Schritt nach vorne, vor allem was die Flexibilität angeht: so konfigurierbar war noch keines meiner Gehäuse. Der Preis von gerade mal 100€ erscheint da schon recht niedrig, liegt aber wohl vor allem am Material: statt leichten Aluminium wird der schwere, aber billige Stahl verwendet.
Ich bin von dem Gehäuse so dermaßen begeistert dass ich nicht weiß ob ich mir jemals ein neues kaufen werde.

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