Kurzreview: Titanfall 2 Multiplayer

Beim Multiplayer von Titanfall 2 gibt es nur wenig neues. Das Gameplay ist immer noch stark an Call of Duty orientiert: man spielt hauptsächlich mit Varianten von Maschinengewehren und beim Kampf zwischen zwei Spielern kommt es darauf an wer zuerst abdrückt und trifft. Dazu gibt es noch das bekannte Wallrunning-System und natürlich die Titanen. Neben der primären Waffe, welche fast immer ein Maschinengewehr ist außer man wagt sich mit einer Schrotflinte in den Kampf, hat man nur eine sekundäre Waffe zur Verfügung. Die kann eine Pistole sein oder eine Waffe speziell gegen Titanen. Die von mir verhasste Smartpistol (die automatisch Ziele sucht und bis zu dreimal aufschaltet und drei Treffer erledigen einen Spieler) wurde zur Spezialfähigkeit die man erst sehr spät bekommt und nur stark limitiert einsetzten kann, wodurch man sie kaum noch sieht. Trotzdem ist mehr die Regel aus Ausnahme dass man Gegner in 1-2 Sekunden erledigen kann wenn man richtig trifft. Man hat auch keine Möglichkeiten das zu umgehen, wie man es in klassischen Arena-Shootern mit Lebenspunkt- und Rüstungsitems macht – die gibt es schlicht nicht.

Screenshot: Wird nie langweilig: eine der vielen Embark Animationen.
Wird nie langweilig: eine der vielen Embark Animationen

Bis man aber an viele der Waffen kommt muss man sich durch ein umfangreiches Freischaltsystem kämpfen. Ich bin allgemein kein Freund von sowas, es scheint mir eine billige Art zu sein um Spieler ein Gefühl von Fortschritt zu geben. Solang es nur kosmetischen Kram enthält wie Overwatch stört es mich nicht, aber hier ist das nicht der Fall: man muss so ziemlich alles freischalten, angefangen von Waffen über Gadgets zu Titanenklassen. Und das dauert. Bei Doom hat man innerhalb von 2-3 Stunden alle Gameplay-relevanten Dinge freigeschalten, ich habe Titanfall 2 bisher nur etwa 10 Stunden gespielt und habe noch nicht mal ansatzweiße alle Waffen zur Verfügung. Dazu muss man die Waffen und Titanen auch noch aufleveln um an Verbesserungen zu kommen, was zusätzliche Zeit in Anspruch nimmt. Alternativ kann man sich auch alles Gegen eine Ingame-Währung die man für Abgeschlossenen Matches und der Erfüllung von bestimmten Kriterien erhält (sie gegen echtes Geld zu kaufen ist soweit ich weiß nicht möglich – es gibt zwar Microtransaktionen, aber nur für kosmetischen Kram), aber davon bekommt man auch nicht viel, man muss sich aussuchen was man nimmt. Ich habe mich für die restlichen Titanen-Konfigurationen entschieden, Waffen sind mir schlicht zu teuer und ganz unzufrieden bin ich mit den vom Start Verfügbaren auch nicht. Daneben gibt es auch noch eine Tonne Skins für Spieleravatare, Titanen und Waffen sowie Spieler Icons und Banner freispielen, aber das ist fast eine Randnotiz. Insgesamt ist es aber einer der schlimmsten Freischaltorgien, die mir jemals untergekommen sind, was mir merklich den Spaß hemmt.

Screenshot: Im Bounty Hunt Modus gilt es die computergesteuerten Gegner zu erledigen.
Im Bounty Hunt Modus gilt es die computergesteuerten Gegner zu erledigen.

Das Spiel biete eine Reihe von Modi, die alle Team-basiert sind, bis auf einen FFA-Modus den aber kaum jemand spielt. Hier gibt es eine große und abwechslungsreiche Auswahl für ein Spiel mit einem doch recht spezifischen Konzept. Recht langweilig waren für mich die Modi ohne Titanen, es fühlt sich einfach zu sehr wie Call of Duty an, was ich nicht sonderlich mag wegen der einschränkten Waffenauswahl und wer-zuerst-schießt-gewinnt-Gameplay. Eine Eigenart von Titanfall sind Modi mit computergesteuerten Soldaten: sie kämpfen auf einer Seite, sind aber nur Kanonenfutter. Auch später, wenn Roboter und kleine Mechs dazu stoßen sind sie meist schnell erledigt. Aber sie geben auch Punkte aufs Konto, hat man also gerade keinen Spieler im Visier kann es sich durchaus lohnen auch sie zu erledigen, zumal mal man für die normalen Waffen über unbegrenzte Munition verfügt. Im Modus Kopfgeldjagd ist es sogar wichtig, da beide Teams um Abschüsse einer dritten Partei wetteifern, was eine andere Dynamik ins Spiel bringt.

Screenshot: Kampf gegen einen gegnerischen Titanen.
Kampf gegen einen gegnerischen Titanen.

Mehr Spaß machen die Modi mit Titanen: eine Bereitschaftsanzeige füllt sich langsam auf, kann aber durch Aktionen im Spiel wie Kills schneller aufladen. Statt den drei Grundtypen welche man individuell ausrüsten kann gibt es nur sieben vorgefertigte Titanen-Konfigurationen mit eigenen Waffen und Fähigkeiten. Mir gefällt das, das keine ideale Konfiguration gibt und alle Spieler die selbe nutzten. So findet man recht gut durchgemischte Teams, je nachdem was die Spieler präferieren. Ich bin persönlich oft dem Tone unterwegs, welcher zwar viel austeilt aber nicht so viel Einstecken kann. Allgemein ist man in seinem Titan eine Macht und es macht wirklich Spaß. Allerdings ist man nicht unverwundbar, auch wenn die Rodeo-Mechanik deutlich abgeschwächt wurde. Statt eine verwundbare Stelle zu öffnen und dann rein zu schießen ist es einem dreistufigen System gewichen: erst entfernt man die Batterie das Titanen, beim nächsten man wirft man Granaten in die Öffnung. Jedesmal wird dem Titanen 1/3 seiner Lebenspunkte abgezogen. Dagegen wehren kann man sich mit einer Art Elektro-Nebel, kniet man sich hin wieder Spieler auf dem Titanen gegrillt, wenn man schnell genug ist.
Zusätzlich erschwert werden Rodeo-Angriff dadurch das viele der neuen Maps nicht so Vertikal gebaut sind wie früher. Immerhin: mit Angel City ist die beliebteste Map aus dem Vorgänger zeitnah ins Spiel integriert worden. Das Wallrunning-System ist überall recht gut umgesetzt, man kann sich sehr schnell durch die Levels bewegen auf die Gefahr hin dass man auch recht Verwundbar ist, was aus meiner Sicht ein guter Tausch ist. Mit Campern und Cheater hatte ich meiner recht kurzen Zeit im Spiel wenige bzw. gar keine Probleme. Da man oft offen auf der Karte unterwegs ist und Titanen viel aushalten hat man mit von Sniper wenig zu Befürchten.
Der Text hört sich jetzt nach viel Gemecker man und ja, es gibt durchaus einiges was mir daran nicht gefällt. Aber es macht tierisch viel Spaß sich schnell und flüssig durch die Levels zu bewegen, im Flug Gegner zu erledigen und natürlich mit dem Titanen als fast unaufhaltsame Damage-Maschine durch die Levels zu stapfen. Besonders cool: mit dem namensgebenen Titanfall kann man auch Gegner erledigen, wenn man das Timing richtig hinkriegt und ein bisschen Glück hat.

Fazit: Allgemein hat mir der Multiplayer von Titanfall 2 weniger Spaß gemacht wie die Kampagne. Da es im Kern doch sehr ähnlich zu Call of Duty ist welches ich nicht mag weil mir das Twitch-Shooter-Gameplay zu eingeschränkt ist. In der Kampagne stört es mich weit weniger, im Multiplayer aber ist es für eine Quelle von Frust. Das Wallrunning und die Titanen mischen es gut auf, sofern man sie zur Verfügung hat. Beim Leveldesign war ich enttäuscht, die neuen Karten sind nicht vertikal genug um die Spielmechaniken voll nutzen zu können. Das größte Problem dürfte aber sein dass die Spielerzahlen rapide fallen im Vergleich zu den großen Konkurrenten, was schade ist aber vor allem im Anbetracht des Releasetermins etwas zu erwarten war. Für kurze Sessions zwischendurch hatte ich aber durchaus Spaß mit dem Spiel, aber es wird wahrscheinlich nicht auf Dauer gut gehen.

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