Herrscher des Olymp – Zeus

Herrscher des Olymp: Zeus

Screenshot: Große Stadt in Herrscher des Olymp - Zeus

"Mächtige Götter sind unter uns. Vom Himmel aus zerschmettert Zeus alles, was seine Herrschaft gefährdet". An was würdet ihr bei diesen Zeilen denken? Ein Ego-Shooter? Ein Action-Adventure? Nein, mit diesen Worten beginnt dass Städtebauspiel Herrscher des Olymp – Zeus von Impressions Games. Es spielt im antiken Griechenland und bedient sich großzügige bei den Sagen rund um die Götter des Olymps und deren Helden, mit humoristischen Anstrich. Seit seinem Erscheinen vor 25 Jahren stand Zeus im Schatten seiner älteren Brüder. Für mich zu Unrecht, da es nicht nur viel Eigenes zu bieten hat, sondern aus meiner bescheidenen Sicht auch einiges besser macht. Passend zum Jubiläum möchte ich es euch in diesem Artikel näher vorstellen.

Hinweis: dieser Artikel erschien auch bei GamersGlobal. Danke an Olipool und Hagen Geritz für Feedback und Korrekturen.

Inhalt

Aufbau mit Siegel: Kurze Geschichte von Impressions Games

Das britische Entwicklerstudio Impressions Games wurde 1989 von David Lester und Ed Grabowski gegründet. Bereits 1992 entstand eine US-Niederlassung in Cambridge, Massachusetts. Zu Anfang entwickelte das Studio vor allem Sportspiele, mit der Zeit rückte immer mehr das Strategiegenre in den Fokus. Die bekanntesten Impressions-Werke sind eine Fülle historischer Städtebauspiele, denen Publisher Sierra Entertainment sogar eine Art Siegel auf die Packung druckte: "Städtebau von Impressions" beziehungswiese "Impressions City Builder", Namentlich Caesar, Pharao, Herrscher des Olymp – Zeus und Der erste Kaiser – Aufstieg des Reichs der Mitte. Daneben sind sie auch für die Lords-of-the-Realm-Reihe verantwortlich. Nach längerer Zusammenarbeit wurde das Studio 1995 von Sierra Entertainment übernommen.

Screenshot: Pharao ist das beliebteste Spiel von Impressions Games. 2023 erschein ein gelungenes Remake-Remaster von Triskell Interactive.
Pharao ist das beliebteste Spiel von Impressions Games. 2023 erschein ein gelungenes Remake-Remaster von Triskell Interactive.

Nach einigen weniger erfolgreichen Titeln und internen Verstimmungen mit dem Management von Sierra, wurde das Studio 2004 aufgelöst. Viele der prägenden Entwickler hatten die Firma zu diesem Zeitpunkt bereits verlassen: David Lester, Simon Bradburry und Eric Ouellette packten ihre Sachen bereits 1999. um Firefly Studios zu gründen, wo bis heute die Stronghold-Serie entsteht. 2001 gingen Chris Beatrice und Peter Haffenreffer und gründeten mit Tilted Mill ebenfalls ein eigenes Unternehmen. Diese Firma wird als eine Art Nachfolger zu Impressions angesehen, weil viele weitere Mitglieder des Studios dorthin wechselten. Das Tilted-Mill-Debut Kinder des Nils wies zudem viele Ähnlichkeiten zu den wichtigsten Spielen von Impressions auf. Später trug das Team mit Caesar 4 sogar offiziell die Fackel weiter, an den Ruhm vergangener Tage konnte es aber nicht anknüpfen. Was das Studio aktuell macht ist unklar. Da seit 2016 komplette Funkstille herrschte, lag der Verdacht nahe, es sei geschlossen worden – bis Chris Beatrice im Mai 2025 auf reddit verkündete, dass Tilted Mill sich in der Konzeptphase für ein neues Städtebauspiel befindet. Weitere Informationen gab es seitdem aber nicht.

Die Impressions-Formel

Das Ur-Caesar erinnerte noch stark an die erste Version von Sim City, nur eben im antiken Rom: Draufsicht, Straßen und Häuser, angereichert mit einer einfachen Provinzebene und Militärsystem. In Caesar 2 kippte dann die Ansicht in eine isometrische Perspektive und die ersten Fußgänger wandelten – nicht nur zur Verzierung – auf den Straßen. Die Systeme wirkten aber noch unausgegoren, erst mit Caesar 3 wurde die Formel gefestigt.

Die Bewohner eurer Stadt wollen mehr als nur ein Dach über dem Kopf, sie verlangen nach Waren und Dienstleistungen. Versorgt ihr sie gut, bauen sie ihre Häuser aus, wodurch mehr Bewohner auf derselben Fläche unterkommen. Die Versorgung übernehmen die Fußgänger. Egal ob Wasserträger, Ingenieur oder Hausierer, sie funktionieren alle nach dem selben Prinzip: Sie starten an ihrem Gebäude, gehen dann die Straße entlang, sind sie weit genug gelaufen, kehren sie auf dem kürzesten Weg zu ihrem Gebäude zurück. Durch geschickte Platzierung ihr die Fußgänger zwingen, eine volle Runde zu laufen und so ihre Reichweite nahezu zu verdoppeln. Profis lassen sie sogar endlos laufen, wobei das im hier besprochenen Spiel nicht mehr funktioniert. An Kreuzungen wählen sie eine zufällige Abzweigung, was sie schwer kontrollierbar macht. Nur ein Stadttor vermag sie anno 1998 in Caesar 3 aufzuhalten, aber das wollt ihr eigentlich nicht in der Nähe der Wohnhäuser haben. Dieses Problem wurde im Folgejahr in Pharao mit der Einführung der Straßensperren gelöst.

Screenshot: Caesar 3 definierte die Formel der Städtebauspiele von Impressions
Caesar 3 definierte die Formel der Städtebauspiele von Impressions

Damit die passenden Waren auch auf dem Markt oder Basar landen, müssen entsprechende Produzenten her. Die Warenketten sind einfach, über das Rohmaterial und eine Stufe der Verarbeitung gehen sie nicht hinaus. Alternativ importiert ihr die Güter von anderen Städten, das geht aber schnell ins Geld. Nahrung für die Bevölkerung wird in Silos untergebracht, alles andere kommt ins Lagerhaus und über einen Hausierer zu den Bewohnern – sofern sie nicht ein Händler aus einer anderen Stadt mitnimmt, der dafür gutes Geld dalässt, mehr dazu später.

Ein weiterer, wichtiger Aspekt für die Wohnhäuser ist die Attraktivität. Wer will nicht umgeben von gepflasterten Straßen, Zierbäumen und Statuen leben? Lager, Werkstätten und Schwerindustrie sollten dagegen weit weg platziert werden, die wohlhabende Bevölkerung zieht erst gar nicht in solche Gegenden. Auch hier ist gute Planung wichtig, weil die Ansprüche stetig steigen. Habt ihr keinen Platz für Zierelement eingeplant, kann die Entwicklung eines Hauses ins Stocken geraten.

Neues an der Ägäis

Mit Caesar 3 war die Formel gesetzt, Pharao verfeinerte sie nur ein wenig. Obwohl die Entwicklungszeit von Zeus mit etwas mehr als einem Jahr kaum länger ausfiel, wurden trotzdem einige Aspekte des Gameplays stark überarbeitet. Aus meiner Sicht unnötig komplizierte und undurchsichtige Systeme wurden entschlackt oder gleich ganz über Bord geworfen.

Screenshot: Auch eine mächtige Stadt wie Sparta fängt mal klein an
Auch eine mächtige Stadt wie Sparta fängt mal klein an

Dazu zählt die rudimentäre Alterssimulation. In den Vorgängern altert jeder Einwohner jedes Jahr, mit 60 gehen sie in Rente und stehen nicht mehr als Arbeitskraft zur Verfügung, verbrauchen aber weiter Waren. Allerdings ist das nur im Statistikbildschirm ersichtlich. Merkt ihr das nicht, gehen euren Betrieben nach und nach die Arbeitskräfte aus. Speziell beim langwierigen Bau der Monumente im alten Ägypten kann das zum Problem werden. In Zeus wurde das System dahingehend vereinfacht, dass einfach ein fixer Anteil der Bevölkerung als Arbeitskraft zur Verfügung steht.

Ich war nie ein Freund des undurchsichtigen Bewertungssystems: Mir war nie so richtig klar, warum meine Kulturwertung ein paar Punkte zu niedrig ausfällt, die Hinweise schwankten zwischen zu vage und unbrauchbar. Allgemein ließ sich die Königreichswertung nur recht umständlich und langwierig nach oben treiben. Das System wurde ersatzlos gestrichen und bei den Missionszielen in Zeus ist immer klar, wie ihr sie erreichen könnt.

Auch hat mich das System mit den Anwerbern in Caesar 3 und Pharao genervt: Jeder Betrieb muss erst Anwerber aussenden, um seine Arbeitskräfte zu "suchen". Meine Städte in Pharao sahen deshalb immer zu einem gewissen Grad chaotisch aus, weil ich versucht habe, Wohnbezirke einigermaßen effizient mit den Industriegebieten zu verbinden. Heute weiß ich, dass sich das System sehr leicht aushebeln lässt: Sobald ein Anwerber an zwei bewohnten Häusern vorbeikommt und in der Stadt genug freie Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, ist er zufrieden. Ihn stört es auch nicht, wenn es nur die kleinsten Hütten sind. Also irgendwo ins Industriegebiet zwei Verschläge bauen, einen Arzt in Reichweite (damit keine Seuchen ausbrechen), fertig. In Zeus ist das nicht nötig, weil auch dieses System rausgeflogen ist. Sobald ein Betrieb eine Straßenanbindung hat, bekommt er automatisch seine Arbeitskräfte – natürlich nur solange genug freie Arbeiter zur Verfügung stehen. Ich habe mir das immer so vorgestellt, dass die Bewohner ganz wie in unserer Zeit zu ihrem Arbeitsplatz pendeln, selbst wenn er am anderen Ende der Karte ist. Im Spiel passiert das nicht wirklich, denn die Einwohner werden nicht individuell simuliert, sondern existieren nur als Zahlen in der Statistik.

Screenshot: Dedizierte Industriegebiete sind in Zeus kein Problem. Das Heiligtum für Athene hat eingebaute Olivenbäume zur Produktion des wertvollen Öls
Dedizierte Industriegebiete sind in Zeus kein Problem. Das Heiligtum für Athene hat eingebaute Olivenbäume zur Produktion des wertvollen Öls

Griechenland im Vorteil

Eine große Verbesserung sind die Handelsposten und Piers. Händler kommen nun dorthin, statt die gehandelten Waren aus einem Lagerhaus zu nehmen. Diese Trennung macht den Handel und die Versorgung der Bevölkerung deutlich einfacher und transparenter. Braucht ihr die Waren doch, setzt einfach kurzzeitig den Handel aus und schon stehen sie euren Bewohnern ganz wie in herkömmlichen Lagerhäusern zur Verfügung. Mangels eines zentrale Menüs ist das zwar etwas ünübersichtlicher, aber so lässt sich der Handel feiner steuern. Mir gefällt diese Lösung deutlich besser als das Menü in den Vorgängern.

In Pharao hat es mich immer gestört, dass die kleinen Häuser zu größeren verschmelzen. Weil ich das nicht direkt kontrollieren kann, bildeten sich des Öfteren ineffiziente Wohnblöcke. Ein Gegenmitel: die Behausungen in einer Art Schachbrettemuster platzieren. Das finde ich aber umständlich und verschwendet obendrein anfangs Platz. Auch das vereinfacht Zeus: Wohnhäuser belegen immer 2×2 Felder. Außerdem sind die Adelshäuser separate Gebäude, was ihre Platzierung und Planung deutlich vereinfacht.

Ebenso ist die Benutzeroberfläche abermals verbessert worden: Das Menü ist wie gewohnt rechts an der Seite, aber im Gegensatz zu früher viel sinnvoller aufgeteilt. Es ist in Kategorien wie Nahrung, Handel und Militär eingeteilt und jeder der Reiter hat zwei Seiten: Eine mit den wichtigsten Infos, die andere mit der Minikarte. Die Auswahl an Gebäuden zum Bauen ist immer sichtbar. Durch die Kategorien könnt ihr per Mausrad scrollen. Buttons für Straßen, Wegsperren, Nachrichten und Missionsziele sind darunter angeordnet und immer verfügbar.

Ebenfalls Geschichte sind die Beraterfenster, hinter denen sich wertvolle Informationen verstecken. Im Menü rechts stehen die wichtigsten Daten, ihr müsst nicht immer umständlich durch die Fenster suchen und das Spiel läuft zudem weiter. Alle Details sind obendrein in einem separaten Fenster zu finden, aber das habe ich nur selten gebraucht. Das Nachrichtensystem wurde gleichermaßen überarbeitet, viele könnt ihr als kleine Einblendung oben anzeigen lassen oder gar komplett ausblenden. Wobei ich das System gerne noch etwas feiner eingestellt hätte, ich werde doch noch oft von unnützen Nachrichten unterbrochen, aber da sie in dieselbe Kategorie wie tatsächlich wichtige Benachrichtigungen fallen, kann ich sie nicht ganz ausschalten.

Schweiß, Hirn und Schauspiel

Screenshot: Als Gastgeber von Olympischen Spielen strömen Teilnehmer in eure Stadt und direkt zum Stadion
Als Gastgeber von Olympischen Spielen strömen Teilnehmer in eure Stadt und direkt zum Stadion

Das antike Griechenland gilt als die Wiege der Demokratie und der europäischen Kultur, wie wir sie heute kennen. Ersteres kommt im Spiel nicht vor, ihr seid der unangefochtene Alleinherrscher, zur Wahl müsst ihr euch nie stellen. Damit euch die Bevölkerung der Stadt eures Amtes enthebt, müsst ihr schon sehr großen Mist bauen, indem ihr beispielsweise mehrere Jahre durchgängig verschuldet seid.

Kultur spielt aber eine wichtige Rolle. Alle Einwohner wollen daran teilhaben. Sie besuchen aber nicht etwa entsprechende Orte, sondern Kulturschaffende sollen bei ihnen vorbeikommen: Athleten entstehen einfach am Gymnasium, Philosophen und Schauspieler müssen zuerst an entsprechenden Schulen ausgebildet werden, bevor sie zu ihren Wirkungsstätten gehen und von dort aus die Bevölkerung unterrichten und unterhalten. Wettkämpfer sind meist größeren Städten vorbehalten und gehen vom Gymnasium zum großen Stadion. Der Anspruch der Bewohner wächst mit der Ausbaustufe ihres Hauses, sie wollen immer mehr kulturelle Angebote erfahren. Neben Warenversorgung ist der Zugang zu Kultur der wichtigste Faktor, damit die Bewohner ihre Häuser ausbauen. Die normalen Einwohner sind mit drei Angeboten zufrieden, Adlige der höchsten Stufe wollen dagegen von allen regelmäßig besucht werden.

Zudem wird jedes Jahr eine Ausgabe der panhellenischen Spiele abgehalten. Ist die aktuelle Jahreszahl durch vier teilbar, treten sämtliche Kulturschaffenden bei den Olympischen Spielen an. In den anderen Jahren finden im Wechsel die Veranstaltungen für die einzelnen Disziplinen statt (Athleten und Wettkämpfer werden zusammengerechnet). Wie eure Vertreter abschneiden, soll von der Kulturversorgung der Stadt abhängen, mir schien aber auch ein großer Zufallsfaktor mit reinzuspielen. Hat jemand aus eurer Stadt gewonnen, könnt ihr ihnen zu Ehren ein kleines Denkmal errichten. Ein Sieg verbessert zudem leicht euren Ruf bei Freunden und Feinden, mehr dazu später.

Das Stadion hat noch eine zweite Funktion, die dann zum Tragen kommt, wenn eure Gesandten die Olympischen Spiele gewinnen: Vier Jahre später wird eure Stadt Austragungsort, es finden sich Athleten, Wettkämpfer, Philosophen und Schauspieler aus ganz Griechenland in eurer Stadt ein. Ihr müsst sie nicht versorgen, aber es sieht schon schickt aus, wenn so viele Figuren in eure Stadt kommen – wobei sie schnurstracks zum Stadion laufen. Könnt ihr erneut gewinnen, wiederholt sich das Schauspiel vier Jahre später. Und das war’s auch schon, mehr als ein optisches Gimmick ist es leider nicht.

Schleudern, Trireme und viele Drachme

Screenshot: Natürliche Engstellen ausnutzen erleichtert die Verteidigung. Die Wälle sind eher Verzierung.
Natürliche Engstellen ausnutzen erleichtert die Verteidigung. Die Wälle sind eher Verzierung.

Für mich stehen Militärsysteme in Aufbauspielen immer im Widerspruch zum Kern-Gameplay, in dem der Aufbau klar im Fokus steht und nicht die Zerstörung. Trotzdem kommt kaum eines ohne aus, Zeus ist da keine Ausnahme. Solltet ihr Ziel eines Angriffs sein, müsst ihr euren Palast gegen die Angreifer verteidigen. Der Sieg ist erst euer, wenn alle Gegner erledigt sind. Die Verteidigung findet auf der Karte eurer Stadt statt, habt ihr viele und angriffslustige Rivalen, solltet ihr das mit einplanen. Andere Städte könnt ihr über die Weltkarte angreifen, auch dazu mehr an späterer Stelle.

Sobald euer Palast steht, werden automatisch Milizverbänden gebildet, zu erkennen an den Standarten neben dem Hauptgebäude. Per Klick wählt ihr sie aus und versetzt sie. Damit die Milizen kämpfen, müsst ihr sie erst anwerben, wodurch die Männer aber als Arbeiter fehlen – ein langer Kampf kann euch so langfristig mehr kosten. Da sie nur mit Steinschleudern bewaffnet sind und ihre Moral schnell dahin ist, eigenen sie sich nur gegen schwache Gegner. Sollten mächtige Feinde eure Stadt heimsuchen, braucht ihr ausgebildete Krieger, die sich aus der Adelsschicht rekrutieren. Sie müssen mit Waffen ausgestattet sein, dafür fehlen euch bei der Anmusterung keine Arbeitskräfte, weil sie ohnehin keiner Arbeit nachgehen. Solltet ihr in eurer Stadt ein Heiligtum für Ares unterhalten, gibt er euch das Kommando über zwei seiner Spartaner-Kompanien und sogar sein Drache wird bei der Verteidigung aushelfen. Artemis überlässt euch an ihrem Tempel zwei Kompanien starker Fernkämpfer. Diese Truppen lassen sich auch für Angriffe auf der Griechenlandkarte einsetzen.

Ansonsten gibt es Mauern und Türme, die Gegner meiner Erfahrung nach aber nur kurz aufhalten, obwohl niemand Belagerungswaffen mit sich führt. Ähnlich sieht es mit Schiffen aus, ihr könnt bis zu drei Triremen in eurer Stadt unterhalten. Ihr benötigt sie für Angriffe auf Städte, die eure Truppen nicht über Land erreichen können. In der Defensive sollen sie gegnerische Landungsschiffe stoppen, was bei mir in der Praxis nur sehr selten funktioniert hat.

Screenshot: Sind die Gegner in der Stadt, müsst ihr den Palast mit allen Mitteln verteidigen. Wenn andere Gebäude zerstört werden, ist das meist kein großes Problem.
Sind die Gegner in der Stadt, müsst ihr den Palast mit allen Mitteln verteidigen. Wenn andere Gebäude zerstört werden, ist das meist kein großes Problem.

Im Kern wurde das Militärsystem gegenüber den Vorgängern kaum verändert: Ihr versetzt die Standarten grob in der Landschaft und hofft, dass eure Soldaten die richtigen Gegner angreifen. Sollten sie na einer unvorhergesehenen Stelle erscheinen, kann eure Verteidigung schon von vornherein zum Scheitern verurteilt sein. Eine Neuerung bei deisem Spielbestandteil ist für mich ein zweischneidiges Schwert: ihr könnt euch freikaufen. Mit genügend Geld auf der Kante, bestecht ihr die Gegner einfach und sie ziehen kampflos wieder ab. Ihr könnt für so einen "Sieg" sogar ein kleines Denkmal errichten. Wenn das mal nicht Kapitalismus in Reinform ist. Auch wenn ich kein Fan des kämpferischen Anteils bin, dadurch wird das Militärsystem komplett ausgehebelt. Geld ist meistens nur zu Anfang ein Problem, spätestens ab der dritten Mission eines Kampagnen-Abenteuers (zu denen komme ich auch noch) schwamm ich in Drachmen und in den vorigen wurde ich nur ganz selten angegriffen. In einigen Missionen könnt ihr nicht anders, weil ihr angegriffen werdet, ohne selbst Soldaten aufstellen zu können. Ich traue aber auch der Miliz wenig zu. Ich finde es merkwürdig, dass es eine solche Option umgesetzt wurde, um ein Spielsystem komplett zu umgehen. Waren sich die Entwickler der Schwächen bewusst und wollten eine einfache Lösung? Oder ließ die kurze Entwicklungszeit nicht mehr zu? Ich kann es euch nicht sagen, aber es spricht nicht unbedingt dafür, dass Impressions Games vom eigenen Militärsystem überzeugt war.

Freunde und Feinde

Das antike Griechenland war keine vereinigte Nation wie sie moderne Welt kennt, sondern eine Ansammlung von bis zu 1000 Stadtstaaten, die um Macht und Einfluss untereinander kämpften. Die bekanntesten der sogenannten Polis wie Athen, Sparta und Korinth sowie viele weitere sind im Spiel vertreten, aber auch andere Städte wie Delphi und Knossos spielen in Herrscher des Olymp – Zeus eine wichtige Rolle. Auf der Weltkarte sind alle aktuell bekannten Städte verzeichnet, dort interagiert ihr auch mit ihnen. Wichtig ist dabei euer Ruf, der je nach Aktion sinkt oder steigt.

Screenshot: Soldaten rekrutieren sich aus dem Adel. Mit einem solch maximal ausgebauten Adelsviertel und drei Triremen hat Ithaka nichts zu befürchten.
Soldaten rekrutieren sich aus dem Adel. Mit einem solch maximal ausgebauten Adelsviertel und drei Triremen hat Ithaka nichts zu befürchten.

Generell habt ihr zwei Arten von Nachbarn: Verbündete und Rivalen. Vasallen und Kolonien funktionieren prinzipiell genauso wie Verbündete, aber sie lassen euch zudem jedes Jahr einen Tribut in Form von Waren oder Geld zukommen. Mit Verbündeten treibt ihr Handel und sie werden euren Anfragen nach Waren nachkommen, sofern euer Verhältnis untereinander gut genug ist. Wollt ihr Hilfe im Verteidigungsfall oder bei Angriffen auf andere Städte, müsst ihr euch mit ihnen besonders gut stellen. Bedenkt zudem, dass jede Anfrage ihre Laune senkt! Ein einfaches Mittel, um sie wieder zu heben, sind Geschenke – am besten in Form benötigter Waren, harte Drachen werden auch immer gerne gesehen. Ist ihre Laune extrem schlecht, werden sie den Handel einstellen, Vasallen und Kolonien könnten zur Rebellion aufrufen. Es ist deshalb wichtig, zumindest ein neutrales Verhältnis zu wahren, was aber meist nicht schwer ist.

Auch eure Rivalen könntet ihr um Waren bitten, sie werden sie euch aber nur in den seltensten Fällen zur Verfügung stellen. Andere Polis werden wiederum selbst Forderungen stellen. Kommt ihr diesen nicht nach, schicken sie früher oder später ihre Armee vorbei. Oder sie versuchen, eure Verbündeten zu erobern, was ihr durch das Entsenden eigener Truppen verhindern könnt – hoffentlich, Garantien gibt es meines Wissens nie.

Wollt ihr selbst in die Offensive gehen, schickt ihr eure Armee los (die Miliz muss in der Stadt bleiben). Erobert ihr einen Rivalen, wird er zum Vasallen. Euch ist niemand böse, wenn ihr einen Rivalen erobert. Außer der Eroberte selbst natürlich, dessen Bild von euch ist nach der Eroberung am Tiefpunkt ist. Nach ein paar Geschenken stehen die Unterworfenen euch aber schnell zumindest neutral gegenüber. Von der Eroberung Verbündeter würde ich abraten, weil ihr dann ganz schnell allein dasteht. Ähnliches gilt, wenn ihr eure Truppen zur Plünderung von Waren aussendet. Wobei ich nie die Notwendigkeit dazu sehe, es gibt immer friedliche Wege, an benötigte Ressourcen zu kommen.

Screenshot: Auf der Karte Griechenlands könnt ihr eure Truppen zu Angriffen losschicken
Auf der Karte Griechenlands könnt ihr eure Truppen zu Angriffen losschicken.

Erobern oder erobert werden

Zwei Symbole neben der Stadt informieren auf der Karte über ihre Wirtschaftskraft und Verteidigungsfähigkeit. Letztere wird durch Schilde angezeigt, je mehr, desto niedriger ist die Chance, die Stadt bei einem Angriff zu erobern. Mit jedem Versuch sinkt deren Anzahl, wobei mir immer noch ein hoher Zufallsfaktor im Spiel zu sein scheint. Mich nervt es, wenn ich eine große Armee losschicke, nur damit es gefühlt mehr vom Zufall abhängt, ob ein Angriff glückt. Die Münzen neben der Stadt symbolisieren ihre Wirtschaftskraft, je mehr angezeigt werden, desto mehr Waren können eure Truppen plündern. Beide Symbole sind mir früher nicht aufgefallen. Im Handbuch werden sie zwar beschrieben, aber ich habe mir damals die Budgetversion gekauft und wer liest schon freiwillig eine 186 Seiten dicke PDF von einer Spiele-CD?

Könnt ihr die Invasionsstreitmacht eines Rivalen nicht zurückschlagen, seid ihr nun deren Vasall und müsst jedes Jahr einen Geldbetrag als Tribut leiste. Bei mir handelte es sich stets nur um dreistellige Beträge, was verkraftbar ist. Zudem hat dieser Status keinen Einfluss darauf, ob ihr eure Missionsziele erreichen könnt. Ich habe ein Abenteuer in diesem Zustand abgeschlossen. Aber die Schmach, nun ein Vasall zu sein, wiegt schwer. Sie wieder loszuwerden ist nicht einfach, einen praktischen Rebellionsknopf gibt es nämlich nicht. Ihr müsst entweder die Stadt eures Herren erobern (was direkt ins Gegenteil umschlägt, er ist nun euer Vasall) oder ihr provoziert ihn so lange, indem ihr den Tribut verweigert oder angreift, bis er erneut seine Armee schickt: Schlagt ihr sie, seid ihr wieder frei.

Screenshot: Auf kleinen Karten erfordert der Platzmangel kreative Lösungen. Die Soldaten auf Wasser-Ski kümmert das wohl nicht.
Auf kleinen Karten erfordert der Platzmangel kreative Lösungen. Die Soldaten auf Wasser-Ski kümmert das wohl nicht.

So sehr ich die Interaktion mit den anderen Städten mag, mir scheint das System teils unausgegoren und vor allem unfair. Der eigene Ruf ist höchst flüchtig, meine Bitten resultieren immer in einer Rufverschlechterung. Meine Verbündeten schicken obendrein oft Anfragen, kann oder will ich nicht, sind sie wiederum schnell beleidigt. Dazu scheint es nicht immer einen Unterschied zu machen, ob ihr mit einem Verbündeten oder Rivalen interagiert. Dass mich meine Verbündeten nicht mögen, wenn ich ihre Bitten ablehne oder sie gar angreife, ist klar. Bei einem Rivalen ist aber nur er sauer. Laut dem Handbuch verbessert das sogar den Ruf bei anderen Rivalen! Richtige Bündnisse werden wohl nicht abgebildet, sondern nur, wie jede Stadt zur meinigen steh. Die ganze Welt dreht sich wohl um mich, dabei bin ich doch gar kein Egoist – dlso denke ich zumindest.

umal eure Verbündeten und Kontrahenten alle gesichtslos sind – buchstäblich. Zwar steht bei allen Städten auch der Name der Anführer dabei, die euch auch hin und wieder Nachrichten schicken: entweder mit Anfragen oder einfach nur um euch zu sagen, wie toll sie euch finden oder das Gegenteil. Es tauchen bekannte Namen wie Perikles, Xerxes und Lysander auf, aber es bleiben nur Namen. Keine echte Persönlichkeit wird spürbar, alle verhalten sich gleich. Das finde ich schon ein wenig Schade, denn Zeus hat an anderen Stellen sehr viel Persönlichkeit.

Die spinnen, die Griechen

Aufbauspiele waren zu dieser Zeit meist freundlich gestaltet und oft mit einem Augenzwinkern versehen. Es gab nur kleine und bestenfalls nette Details, wie die seilspringenden Siedler. Herrscher des Olymp – Zeus geht hier einen Schritt weiter und macht den Humor zu einem wichtigen Aspekt des Spiels.

Screenshot: Die Monumente im Spiel sind imposant. Mit ihren riesigen Statuen in überzeichnetem Design, schiefen Dächern und Säulen zeigen sie zudem den Humor im Spiel.
Die Monumente im Spiel sind imposant. Mit ihren riesigen Statuen in überzeichnetem Design, schiefen Dächern und Säulen zeigen sie zudem den Humor im Spiel.

Eure erste Begegnung mit dem Humor dürften die Missionsbeschreibungen sein. Ein Sprecher liest die Texte vor, die mit allerlei Anspielungen auf griechische Mythen gespickt sind, Seitenhiebe auf Götter und Helden inklusive. Wobei ich zugeben muss, dass in meinen Augen nicht jeder Witz gut gealtert ist. In jedem Fall würde ich die englische Version empfehlen. Ich finde, dass der originale Sprecher den humoristischen Ansatz deutlich besser rüberbringt als die doch etwas biedere Stimme der deutschen Version.

Am auffälligsten ist aber die Grafik: Während in anderen Spielen die Wände und Dächer genau im rechten Winkel gebaut sind, geht diese Interpretation des antiken Griechenlands sehr viel laxer mit den Bauvorschriften um. Es biegen sich nicht nur die Balken, sondern auch die Säulen. Die Dächer der Heiligtümer wirken teils wie von asiatischen Pagoden. Alles hat eine leichte Comicanmutung, das passt zum überzeichneten Stil des Spiels. Dasselbe gilt für einige witzige Animationen: Ein Mitarbeiter des Ölhändler befindet sich in einer endlosen Schleife des Ausrutschens und Fangens einer Vase – das Schicksal des Sisyphos wirkt dagegen harmlos. Entspannter wirkt dagegen der Soldat, der auf Wasserski hinter einer Trireme hergezogen wird. Wie er sich auch bei Stillstand über Wasser halten kann, muss er mir aber erklären. Die Gesetze der Physik waren wohl noch nicht alle erfunden.
Allesamt sind die Figuren überzeichnet, am meisten die Götter und Helden. Aber auch die normalen Einwohner bedienen gängige Klischees, so sprechen die Athleten wie überhebliche Disco-Pumper und die Philosophen sind alte Männer, die immer gebückt laufen (wahrscheinlich wegen ihrem langen Bart). Auch die kurzen Sprüche, die sie beim Anklicken loslassen sind teils witzig: So beschwert sich der Karrenschieber, dass er sich wie sie Odysseus fühlt, weil er quer durch die ganze Stadt muss. Und wo ist eigentlich der Speer eines Schauspielers aus dem Theater geblieben? Wie soll er sonst einen Speerträger spielen?

Screenshot: Auch große Philosophen können sich nicht erklären, wie sie die Olympischen Spiele verlieren konnten...
Auch große Philosophen können sich nicht erklären, wie sie die Olympischen Spiele verlieren konnten…

Wobei ich dazu sagen muss, dass Humor seicht bis zahm ist. Erwartet keine großen Kalauer, besonders anzügliche oder anderweitig polarisierende Witze – obwohl die griechische Mythologie zu beidem mehr als genug Material bieten würde. Aber so weit wollte das Team wohl nicht gehen. Wenn Zeus mir aber ein gelegentliches Schmunzeln entlockt, hat es in der Hinsicht bereits deutlich mehr bei mir geschafft, als die meisten anderen Spiele dieser Art.

Götter zu Besuch

Für die Menschen im antiken Griechenland spielte die reichhaltige Götter- und Sagenwelt eine wichtige Rolle. Bemerkenswert finde ich, dass in den Überlieferungen die Unsterblichen nicht immer vorteilhaft dargestellt werden. Oft sind sie zweideutig oder moralisch ambivalent beschrieben und haben mit dem Schicksal zu kämpfen. Oder nur mit ihrem eigenen Hochmut, ein weit verbreitetes Thema. Die Geschichten dürften nicht nur zu Unterhaltung gedient haben, sondern sollten auch vorbildliches Verhalten vermitteln. Sie beziehen sich häufig auf die mykenische Kultur, die in der späten Bronzezeit von etwa 1600 bis 1000 v. Chr. eingeordnet wird. Die Geschichten in Herrscher des Olymp – Zeus umfassen auch die Archaische und Klassische Epochen bis zum Peloponnesischen Krieg, der 404 v. Chr. endete.

Aus diesem reichhaltigen Fundus schöpften die Entwickler, wählten aber nur die spannendsten Geschichten und Charaktere. Meist werden Sagen wie Iasons Reisen mit den Argonauten oder der Trojanische Krieg verarbeitet und in angepasster Form gezeigt. Es geht hier schließlich um das Errichten von Städten. Die Götter werden dabei am meisten überzeichnet: Der namensgebende Zeus ist der Übervater mit breiter Brust, Dionysos ein torkelnder Trunkenbold, Ares stolziert immer mit Schwert und Rüstung umher und Aphrodite wurde zur verführerischen Sexbombe. Die Helden stehen ihnen nur wenig nach: Herakles wirkt wie ein tumber Koloss und wenn Odysseus mal wieder vom Weg zu Penelope abkommt und in eurer Stadt landet, gesteht er ihr zumindest zu, dass sie "die zweitbeste nach Ithaka" sei.

Screenshot: Perseus kämpft mit dem Kraken, auf den Schwertransport einer Statue hat das keinen Einfluss
Perseus kämpft mit dem Kraken, auf den Schwertransport einer Statue hat das keinen Einfluss

Die Götter spielen zudem spielmechanisch eine wichtige Rolle. In vielen Missionen ist eines der Ziele, für einen oder gleich mehrere ein Heiligtum zu errichten – ein Unterfangen, das viel Material und Arbeitskraft verlangt. Stehen die Prachtbauten, benötigen sie neben Arbeitskräften und regemäßige Opfen. Wegen letzteren müsst ihr eure Schafs- und/oder Ziegenherden immer wieder von Hand auffüllen. Dafür bieten sie vielseitige Boni: Beispielsweise verfügt das Heiligtum des Dionysos über eingebaute Weinreben, die Anbau und Produktion des Oberschichtgetränks auch in Städten ermöglich, die dafür eigentlich nicht geeignet sind. Demeter macht den Boden rund um ihren Tempel fruchtbar für die Landwirtschaft, während das Heiligtum von Hephaistos vier Kupfererzadern beschert. Zudem wandeln die angebeteten Götter höchstselbst regelmäßig durch eure Stadt und segnen Betriebe, die zu ihnen passen: bei Athene sind es die Olivenpressen, bei Poseidon Fischerhäfen, die daraufhin mehr und schneller produzieren. Ihr könnte auch direkt zu den Göttern beten. Sollten sie euch erhören, helfen sie passend zu ihrem Aufgabengebiet: Ares unterstützt eure Krieger im Angriff oder bei der Verteidigung, Artemis sorgt für reichlich Fleisch in den Silos und Hades füllt die klamme Stadtkasse. Manchmal machen sie das auch von sich aus, wenn Bedarf besteht und sie gut gelaunt sind – ob ihr wollt oder nicht. Warum bitte erfüllst du ausgerechnet die Warenforderung meines verhassten Rivalen, Hermes? Es kann aber auch sein, dass sie sich weigern, speziell wenn ihr ihnen zu oft in den Ohren liegt. Die Olympier sind ein launisches Volk (wer die Legenden kennt weiß auch, dass man das nie zu laut sagen sollte).

Wem ihr huldigt, könnt ihr aber nicht ganz so frei entscheiden: In jedem der Abenteuer ist festgelegt, welche Götter euch wohlgesonnen sind und welche nicht. Letztere greifen gerne eure Stadt an und zerstören Betriebe. Ares bringt seinen Drachen als Monster mit, Poseidon unterbindet den Seehandel und Aphrodite entführt einen Teil eurer Bevölkerung. Mauern und Türme interessieren die Unsterblichen nicht. Wollen sie eure Stadt angreifen, hält sie kaum etwas auf. Betet ihr einen mächtigeren Gott an als den angreifenden, sollte er oder sie den Aggressor eigentlich vertreiben. Zeus besiegt alle anderen Olympier, da er in der Rangliste ganz oben steht. Ihm kann nur Hera die Stirn bieten, sie kam aber erst im Addon Poseidon dazu. Aphrodite hält euch zudem sowohl ihren Gemahl Hephaistos als auch ihren Geliebten Ares vom Hals, obwohl sie in der Rangordnung eigentlich über ihr stehen. Es kommt aber vor, dass die jeweiligen Götter nur mit großer Verzögerung eingegriffen haben, weil beide sich dafür erstmal über den Weg laufen müssen.

Heros gesucht

Jeder der Götter kann zudem ein Monster in eure Stadt schicken, oder es wandert zufällig zu euch. Und mit "zufällig" meine ich, dass der Ersteller des Szenarios es so einprogrammiert hat. Sie erscheinen oft an wichtigen Stellen der Karte, wie einem Steinbruch für Marmor, an Erzadern oder üppigen Wiesen, auf denen eure Schafe und Ziegen friedlich grasen. Von den Göttern ist nur Apoll gewillt, Monster zu vertreiben, die anderen geben sich damit nicht ab. Ihr müsst stattdessen einen legendären Helden in eure Stadt rufen, damit er sich der Bestie annimmt. Die Heroen sind durchaus anspruchsvoll, verlangen etwa bestimmte Waren oder eine gute Lage für ihre Heldenhalle. Dafür bleiben sie für die Dauer der Mission in der Stadt und wandeln durch die Straßen. Haben sie ihre Aufgabe erfüllt, haben sie keinen spielerischen Nutzten mehr, ihr könnt sie höchstens mit euren Truppen in die Schlacht schicken (ich weiß aber nicht, ob das überhaupt etwas bringt). Die Anwesenheit eines buchstäblich übergroßen Helden sorgte zumindest für etwas optische Abwechslung in eurer Stadt.

Screenshot: Für abgeschlossenen Quests spendieren Götter hin und wieder große Statuen. Am Heiligtum für Zeus im Hintergrund fehlen noch wenige Handgriffe.
Für abgeschlossenen Quests spendieren Götter hin und wieder große Statuen. Am Heiligtum für Zeus im Hintergrund fehlen noch wenige Handgriffe.

Zu schlechter letzt kann eure Stadt von Naturkatastrophen heimgesucht werden, auch das war im antiken Griechenland keine Seltenheit. Überschwemmungen zerstören Gebäude an der Küste, teils bleiben Gebiete dauerhaft überflutet. Lavaflüsse und Spalten von Erdbeben bahnen sich unaufhaltsam ihren Weg durch die Karte, über letztere könnt ihr immerhin noch Brücken bauen. Die Ereignisse erscheinen immer an den selben Stellen, meist zu fest einprogrammierten Zeitpunkten in einer Mission. Seit ihre darauf vorbereitet, könnt ihr das Schlimmste vermeiden, indem ihr diese Bereiche erst gar nicht bebaut. Andernfalls bieten die meisten Missionen genug Platz, um auszuweichen.


Inspiration aus der Kiste

Hier auf GamersGlobal werden sich noch viele an die Zeiten erinnern, als Videopiele noch in großen Schachteln mit gedrucktem Handbuch ausgeliefert wurden. Letztere fand ich besonders spannend, wenn sie nicht nur eine Beschreibung des Spiels enthielten, sondern auch Notizen und Anekdoten der Entwickler. Im Handbuch von Herrscher des Olymp – Zeus hat Chef-Entwickler Chris Beatrice einen kurzen Text zur Entstehung verfasst und seine größte Inspiration verraten: In einer schlaflosen Nacht zappte er im Fernsehen in eine Folge von Xena – Die Kriegerprinzessin hinein. Da wurde ihm klar, dass das nächste Spiel im antiken Griechenland stattfinden sollte. Und das Götter und Helden eine tragende Rolle spielen müssen. Da allerdings zwischen Historie und Mythos kaum zu trennen war, konnte auch das Spiel nicht so ernst sein wie die Vorgänger. Dadurch war die überzeichnete Darstellung der Figuren gesetzt. Über die Anekdote, dass die Entwickler am Ende "vom Schlafmangel blutunterlaufene Augen" hatten, was ich als brutalen Crunch interpretiere, kann ich hingegen nicht schmunzeln…

Wer einer etwas modernere Interpretation der Götter des Olymps nicht abgeneigt ist, die sich noch bekloppter gibt, dem empfehle ich die französische Zeichentrickserie "50 Shades of Greek", deren zweite und dritte Staffel ihr auf Deutsch synchronisiert in der Mediathek oder dem Youtube-Kanal von Arte findet.


Abenteuer: Stück für Stück

Screenshot: Eine solch prächtige Stadt baut man nicht in einer Mission auf
Eine solch prächtige Stadt baut man nicht in einer Mission auf

Die für mich wichtigste Neuerung im Vergleich zu den Vorgängern sind die Abenteuer: Die Vorgänger bieten zwar Kampagnen mit Missionen, die thematisch aufeinander aufbauen. Aber in jedem Szenario fangt ihr erneut auf einer leeren Karte an. Nicht so in Herrscher des Olymp – Zeus: Das Grundspiel bringt sieben Abenteuer mit, die aus mehreren Missionen bestehen, im Spiel Episoden genannt. Im Fokus steht dabei immer eine Stadt, die ihr mit jeder Mission noch weiter ausbaut. Meist stehen in späteren Episoden neue Gebäude zur Verfügung und die Missionsziele werden stetig schwieriger. Es gibt kein Zeitlimit, bei einigen Zielen könnt ihr zudem selbst auswählen, wann ihr sie erfüllt. Es ist sinnvoll, nicht so schnell wie möglich weiterzugehen, sondern jede Mission mit einer stabilen Stadt zu beenden. Ein ordentlicher Batzen Geld auf dem Konto schadet auch nie. Wer weiß, was euch zum Start der nächsten Mission erwartet…

Abwechslung bringen die Kolonien, von denen es bis zu drei pro Abenteuer gibt. Auf kleineren Karten gilt es eine neue Stadt zu gründen. Die Missionsziele sind meist spezieller, oft steht die Produktion weiterer Waren für die Heimatstadt im Vordergrund. Oft könnt ihr entscheiden, welche Kolonie ihr als nächstes angeht. In einigen Abenteuern gründet ihr früher oder später alle drei, in anderen nur einen Teil. Das könnt ihr aber nur bemerken, wenn ihr die Beschreibung des Abenteuers mit der Karte zu Kolonieauswahl vergleicht. Die Wahl sollte in jedem Fall gut überlegt sein. Dazu müsst ihr bei Angriffen etwas vorsichtiger sein, werdet ihr in einer Kolonie erobert, wird auch die Hauptstadt zum Vasall eures Rivalen! Am besten schützt davor ein dicker Geldbeutel, da wie erwähnt euer Kontostand von Mission zu Mission übertragen wird, auch zu Kolonien.

Die Auswahl an Missionszielen ist eher mager: Am häufigsten wird verlangt, eine bestimmte Anzahl Einwohner in einem bestimmtem Häusertyp zu erreichen, bestimmte Waren zu produzieren oder eine andere Stadt zum Vasallen zu machen. Hin und wieder halten auch die Götter spezielle Aufgaben parat, sie beschränkt sich aber darauf, dass ihr ihnen ein Heiligtum baut oder einen Helden in eure Stadt ruft, um ihn oder sie dann im Menü auf eine Quest zu schicken. Wenn sie nach einiger Zeit zurückkehren, ist die Aufgabe damit auch schon erfüllt. Sobald alle Ziele abgehakt sind, geht es zum Beginn des nächsten Monats automatisch weiter zur nächsten Mission. Nach Abschluss der letzten Mission könnt ihr eure Hauptstadt unbegrenzt weiterregieren. Dann passiert meist nichts mehr, in den schwereren Abenteuern, speziell im Addon Poseidon, kann es aber noch zu wiederkehrenden Angriffen von Monstern und/oder Göttern kommen.

Screenshot: Im Addon Poseidon gründet ihr Kolonien in Südamerika. Mehr als andere Grafiken für die Bäume dürft ihr aber nicht erwarten.
Im Addon Poseidon gründet ihr Kolonien in Südamerika. Mehr als andere Grafiken für die Bäume dürft ihr aber nicht erwarten.

Ich mag es immer, meine Stadt mit jeder Mission wachsen zu sehen. Und dass ich nicht jedes Mal komplett von vorne anfangen muss. Wobei Änderungen große Auswirkungen haben können: Wo bekomme ich Wolle her, wenn ein wichtiger Handelspartner zum Rivalen wird oder gar ganz von der Landkarte verschwindet? Ich kann aber auch verstehen, dass es nerven kann, wenn in einer späten Mission plötzlich ein Minotaurus in meinem Industriegebiet wütet oder ein Erdbeben das Villenviertel einebnet. Die Karten der Hauptstadt sind aber meist groß genug, um sie neu aufzubauen, nur in ganz wenigen Fällen musste ich je ganz von vorne anfangen.

Eines muss aber auch gesagt sein: So sehr ich Zeus mag, früher oder später ist bei mir die Luft raus, weshalb ich die schwereren Abenteuer nur teilweise beendet habe. Die Missionsziele sind auf Dauer zu gleichförmig, ebenso der Aufbau und das stete Abwehren von Feinden wird nervig. Wer nur das Wichtigste sehen will, dem reicht eigentlich das erste Abenteuer "Zeus und Europa", in dem alle Elemente Verwendung finden. Es fungiert auch als Einführung, sodass ihr die separat verfügbaren Tutorials nicht unbedingt braucht. Alle weiteren Abenteuer variieren nur die Ausgangssituationen und Ziele.

Sollte euch das Spiel dagegen nicht genug Inhalte bieten, hilft die Community. In besagtem Addon ist ein Editor für eigene Abenteuer enthalten. Zahllose Kreationen von Usern sind im Netz zu finden, die Datenbank von Heavengames ist eine sehr gute Anlaufstelle (generell sind alle Seiten des Netzwerks gute Informationsquellen zu den Spielen von Impressions). Auf Deutsch bietet die Seite Staedtebauen.de zumindest eine kleine Auswahl. Dass deren Qualität stark schwanken kann und sie tendenziell schwerer sind als die des Grundspiels, versteht sich von selbst. Schließlich wurden sie von engagierten und entsprechend erfahrenen Fans gebaut. Impressions selbst hat mit "Odyssey" und "Das Versprechen des Hades (Rich Man’s Blues)" zwei offizielle Bonus-Abenteuer veröffentlicht, die ihr unter dem "Eigenen Abenteuern (Custom Adventures)" findet. Das erste ist bei jeder aktuellen Version dabei und auch vertont, die zweite benötigt einen separaten Download auf deutsch oder englisch. Beides sind sehr gute, abwechslungsreiche und nicht zu schwere Abenteuer. Im selben Menü findet ihr noch die "Open Play Adventures", welche als Endlosspiele angelegt sind. Da sie keine wirkliche Story bieten, haben sie mich nie wirklich interessiert.

Gut gealtert: Die Technik

Screenshot: Eine große Stadt bietet viele Annehmlichkeiten, wie Versorgung mit allen Waren und Dienstleistungen sowie mehrere Heiligtümer
Eine große Stadt bietet viele Annehmlichkeiten, wie Versorgung mit allen Waren und Dienstleistungen sowie mehrere Heiligtümer

Technisch setzt Herrscher das Olymp – Zeus auf weiterentwickelte Technik der Vorgänger und ist ganz in 2D gehalten. Die Stadtkarte basiert auf einem Raster aus quadratischen Feldern. Der Rand des bebaubaren Gebiets ist mir nicht immer ersichtlich, was mir das ein ums andere Mal die Planung eines Wohngebietes erschwerte, weil ein wichtiges Gebäude doch nicht mehr hinpasste – obwohl ich an dieser Stelle Parks mit der selben Fläche problemlos anlegen konnte…

Die Farbgebung ist durchgängig hell und freundlich, wichtige Ort wie fruchtbare Wiesen für Viehhaltung und Landwirtschaft sind ebenso gut erkennbar wie Marmorsteinbrüche. Nur das mit kostbarem Silbererz durchsetzte Gestein konnte ich manchmal nicht vom nutzlosen unterscheiden. Eure Arbeiter haben damit aber kein Problem, sofern sie es erreichen können. Wie mir das Overlay meines Grafiktreibers verrät, läuft das Spiel in moderaten 20 Bildern pro Sekunde, was die nur ausreichend flüssigen Animationen erklärt.

Generell wirkt die Grafik wie aus einem Guss, der leichte Comic-Touch der Gebäude und Bewohner macht es auch heute noch ansehnlich – sofern ihr dem Stil nicht grundsätzlich abgeneigt seid. Götter und Monster wirken teils wie Fremdkörper im Bild, was vor allem an ihren Effekten und deren Alpha-Blending-Artefakten liegt. Allerdings werden mir einige Elemente etwas zu häufig wiederholt, gerade die Heiligtümer scheinen aus einem Baukastensystem zu stammen.

Auf der auditiven Seite zeigt sich Herrscher des Olymp – Zeus solide. Die Musik klimpert unauffällig im Hintergrund, zumindest solange es in der Stadt friedlich ist. Greifen Feinde oder ein Monster an, wird stattdessen dramatische Musik abgespielt. Die geht mir schnell auf die Nerven, vor allem, weil es im Falle von Monstren etwas dauern kann, bis ich den entsprechenden Helden in die Stadt gerufen habe – wenn ich es überhaupt vertreiben will und nicht für die Dauer der Mission ignoriere. Schlachten mit Gegnern sind immerhin meist schnell vorbei. Die Sprecher für die Figuren sind gut gewählt (Ausnahme von der Regel ist wie beschrieben der zu ernste deutsche Erzähler in den Missionsbeschreibungen).

Dem Untergang geweiht: das Addon

Screenshot: Die Atlantiden haben einen anderen Geschmack bei Dachziegeln und wollen von Wissenschaftlern lernen statt mit Kultur unterhalten werden. Mehr Unterschiede gibt es aber nicht.
Die Atlantiden haben einen anderen Geschmack bei Dachziegeln und wollen von Wissenschaftlern lernen statt mit Kultur unterhalten werden. Mehr Unterschiede gibt es aber nicht.

Knapp ein Jahr nach dem Hauptspiel erschien mit Herrscher von Atlantis – Poseidon das einzige Add-on für Zeus. Es verschiebt den Schwerpunkt nach Westen, auf die sagenumwobene Insel Atlantis. Natürlich spielt deren Untergang eine wichtige Rolle, aber auch der Wiederaufbau, was zu dieser Art von Spiel besser passt. Für die Geschichten der Abenteuer scheinen sich die Entwickler viel mehr Freiheiten genommen zu haben, sie halten sich selten an überlieferte Legenden oder gar historische Ereignisse.

Spielerisch ändert sich nur sehr wenig, die atlantische Städte funktionieren grundsätzlich genauso wie griechische: Die Einwohner müssen mit denselben Waren versorgt werden und benötigen dieselben grundlegenden Dienstleistungen. Statt Kultur wollen sie von allerlei Wissenschaftlern unterrichtet werden, wobei deren Gebäude tendenziell größer ausfallen als ihre Gegenstücke in Griechenland. Es gibt mit Orangenbäumen und Rinderzüchtern zusätzliche Nahrungsquellen, die aber mehr als Ergänzung dienen, da sie recht aufwändig zu betreiben sind. In Atlantis tummeln sich keine Wildschweine, stattdessen wird Rehwild gejagt. Zusätzlich zu Kupfer wird das als feuerrotes Metall abgebildete Orichalc abgebaut, dasa in Monumenten verbaut wird und das atlantische Militär antreibt. Es eignet sich auch gut als Handelsware.

Als neue Monumente müsst ihr Pyramiden unterschiedlicher Größen bauen, statt einem Stadion errichtet ihr mit dem Hippodrom eine modulare Pferderennbahn. Die panhellenischen Spiele kennt man auf dem Inselreich nicht, entsprechend fällt dieser Aspekt ersatzlos weg. Andere Aspekte werden auf simple Art ersetzt, Herkules möchte beispielsweise von Wissenschaftlern unterrichtet werden statt von Kulturschaffenden, Iason verlangt eine Fregattenflotte statt Triremen – beide ersetzten im Spiel eins zu eins ihre Gegenstücke aus Griechenland. Optisch gibt es nur ein paar Änderungen, die Dachziegel atlantischer Häuser sind Türkis oder Lila statt Rot oder Orange und anstelle von Ochsen ziehen Elefanten schwere Waren wie Marmorblöcke durch die Stadt. Da es thematisch bis an die Küste Südamerikas gehen kann, wurden in einigen Missionen die Bäume durch tropische Dschungel ersetzt, sie werden aber genauso zu Holz verarbeitet.

Screenshot: Im Zentrum von Atlantis thronen drei Heiligtümer, links unten stattet ihnen Aphrodite einen Besuch ab. Ob sie das Pferderennen am unteren Bildrand interessiert?
Im Zentrum von Atlantis thronen drei Heiligtümer, links unten stattet ihnen Aphrodite einen Besuch ab. Ob sie das Pferderennen am unteren Bildrand interessiert?

Mit Hera stößt eine weitere Göttin des Olymps dazu, die als einzige in der Lage ist, Zeus zu vertreiben. Atlas ist eigentlich kein griechischer Gott, sondern einer der Titanen, im Spiel macht das aber keinen Unterschied. Beide haben ihre Heiligtümer und bieten zu ihnen passende Boni, so kurbelt Atlas eure Marmor-Produktion an und hilft beim Bauen von Monumenten. Zudem können vier weitere Monster eure Stadt heimsuchen, welche von zwei neuen Helden vertrieben werden.

Die größte Änderung findet sich beim Schwierigkeitsgrad: Zeus ist eigentlich ein recht einfaches Spiel, wenn ihr einmal den Dreh heraushabt, die Systeme kennt und euch etwas Zeit lasst. Die sechs neuen Abenteuer in Poseidon sind durch die Bank schwerer, meist dadurch bedingt, dass die Karten zerklüfteter sind und dadurch eine effiziente Anordnung der Gebäude nicht mehr so einfach gelingt. Oft müsst ihr für eure Betriebe längere Transportwege in Kauf nehmen oder Wohnblöcke wegen Platzmangel kleiner halten, als euch lieb ist. Das lässt sich zwar durch bessere Versorgung ausgleichen, aber die müsst ihr auch erstmal bereitstellen. Dazu sind eure Widersacher durchgängig so angriffslustig wie in den schwersten Abenteuern des Grundspiels, ihr braucht also eine starke Armee oder ein dickes Bankkonto. Mit anderen, atlantischen Städten seid ihr meist verbündet und sie wenden sich selten gegen euch. Greift ihr eine davon an, sind sofort alle gegen euch, was sich nur schwer wieder auflösen lässt. Das gilt natürlich nicht für Städte außerhalb der mystischen Insel, die ihr wie gewohnt erobern oder plündern könnt – sie halten es wiederum auch nicht anders. Auch Monster und feindlich gesinnte Götter statten euren Städten regelmäßig unfreundliche Besuche ab, die Ansprüche der Heroen zu erfüllen hat mir einiges an Kopfzerbrechen bereitet. Das Addon richtet sich entsprechend an erfahrene Spieler, die das Hauptspiel bereits gemeistert haben.


Screenshot: Herrscher des Olymp - Zeus erschien in einigen Varianten und Zusammenstellungen
Herrscher des Olymp – Zeus erschien in einigen Varianten und Zusammenstellungen

Als Herrscher des Olymp – Zeus im Jahr 2000 auf den Markt kam, wurde es noch ganz klassisch in einer großen Eurobox-Pappschachtel verkauft. Ebenso das ein Jahr später erschiene Addon, in großer Schachtel mit Handbuch und CD im Jewelcase. Später folgten Neuveröffentlichungen in stetig kleineren Boxen oder Zusammenstellungen wie den beiden Ausgaben der "Großen Imperien", die zudem Vorgänger und Nachfolger enthielten. Und wer kam ohne Primas offizielles Lösungsbuch aus? Allen Versionen ist zudem gemein, dass sie nur auf CD erschienen und ein entsprechendes Laufwerk voraussetzen. Zu dieser Zeit war das anders als heute keine Seltenheit.

Obwohl sie so alt sind, konnte ich meine Versionen daraus ohne größere Schwierigkeiten zum Laufen bringen. Bei mir brauchte ich nicht mal Kompatibilitätseinstellungen, damit es unter Windows 11 läuft. Einzig das veraltete Setup als 16-bit Programm musste ich austauschen, es gibt von InstallShield 5.0 aber eine Variante in 32bit, die bei mir funktioniert. In jedem Fall braucht es aber die CD im Laufwerk, der Kopierschutz ist da unerbittlich. Es gab eine DRM-freie, deutsche Version auf dem PC Games Sonderheft 2004-01. Allerdings hat diese den Nachteil, dass Poseidon nur auf der Release-Version 2.0 steht, das offizielle Update auf 2.1 ist damit nicht kompatibel. Und man muss erstmal das Heft mit Disc ergattern, sofern man sich nicht in gewissen, digitalen Archiven umschaut, wo man sich aber in eine rechtliche Grauzone begibt.

Digital ist das Spiel bei Steam (wohl mangels aktualisierter Altersfreigabe in Deutschland von Geoblock betroffen) und GOG erhältlich, die als "Acropolis" benannte Version enthält das Grundspiel und Addon in der neuesten Version ohne Kopierschutz. Allerdings ist sie nur auf Englisch verfügbar. Ich würde zwar wegen des Humors diese Version empfehlen, kann aber auch verstehen, dass das nicht jedermanns Sache ist. Allerdings erschien das Spiel zu einer Zeit, als Mehrsprachigkeit noch kein Standard und Sonderzeichen eine technische Herausforderung waren. Ich habe versucht, die Text-Dateien der deutschen Version über eine englische Installation zu kopieren. Der "Deutsch-Patch" von CompiWare macht im Endeffekt dasselbe, nur als Setup verpackt, das euch die Handarbeit des Kopierens abnimmt. Grundsätzlich funktioniert das zwar, aber nicht ohne Probleme: Text läuft über die dafür vorgesehenen Kästen hinaus und Umlaute werden falsch dargestellt. Dazu hatte ich Probleme mit Spielständen zwischen Sprachversionen, einige meiner ganz alten Saves zeigten Grafikfehler und ein Abenteuer ging nicht zur nächsten Mission über, obwohl alle Missionsziele erfüllt waren. Letzteres liegt wahrscheinlich daran, dass bei den Abenteuern auch die Dateinamen lokalisiert wurden und das Programm deshalb die nächste Mission nicht findet.

Das nützliche Tool "Zeus & Poseidon Resolution Customiser" unterstützt nur die digitalen Versionen. Dadurch wird die exe-Datei des Spiels so verändert, dass die bisher höchste Auflösung von 1024×768 Pixel durch eine eigene Vorgabe ersetzt wird. Das funktioniert bei mir tadellos. Alle hier gezeigten Screenshots wurden mit einer solchen Version angefertigt und sind entsprechend hochauflösend. In einem reinen 2D Spiel ist durch die höhere Auflösung der Bildausschnitt größer, es ist also mehr gleichzeitig sichtbar. Das mag der Übersicht zugutekommen, allerdings werden Gebäude, Einwohner und Buttons in den Menüs doch sehr klein. Ihr seht wahrscheinlich schon an den Screenshots, dass in dieser nicht dafür gedacht Auflösung Herrscher des Olymp – Zeus zum Wimmelbildspiel mutiert. Deshalb habe ich bei einigen Bilder nachträglich nur den wichtigen Ausschnitt vergrößert. Zum Spielen ist für mich 2560×1440 noch in Ordnung, 1920×1080 dürfte aber angenehmer sein, höher würde ich nicht gehen. Die Hälfte eurer nativen Bildschirmauflösung inklusive Ganzzahl-Skalierung eures Grafiktreibers könnte ein guter Mittelweg sein. Das Tool kann zudem einen bekannten Bug beheben, durch den Animationen von Göttern in der Stadt nur in Zeitlupe ablaufen.

Kürzlich bin ich auch auf die Neuimplementierung des Spiels durch Fans namens "eZeus" gestoßen. Allerdings ist diese Version noch in Entwicklung, es fehlen Features und generell ist sie nicht sehr stabil. Wer einfach spielen will, sollte vorerst beim Original bleiben. In Zukunft könnte es aber zum neuen Standard werden, ähnlich wie Julius für Caesar 3.


Fazit

Screenshot: Auch in Griechenland gibt es prächtige Städte, die Hera verehren.
Auch in Griechenland gibt es prächtige Städte, die Hera verehren.

Wie ihr vielleicht am Text schon seht: Ich mag Herrscher des Olymp – Zeus. Es steht auf der sich immer wieder mal ändernden Liste meiner absoluten Lieblingsspiele auf Platz 10 – und damit weit vor seinen ungleich beliebteren, älteren Brüdern Caesar 3 und Pharao.

Mich spricht das Setting in der Antike an und ich bin von Griechenland nicht so übersättigt wie von den Römern. Auch den Humor des Spiels mochte ich. Technisch hat es als detailliertes 2D-Spiel nicht so stark gelitten wie manch andere, zumal ich den Comic-Touch mag. Vor allem sind es aber die vielen, sinnvollen Verbesserungen an der Spielmechanik, die es für mich über die anderen Spiele von Impressions und allgemein viele andere Titel hebt. Immerhin wurden auch ein paar davon in das Remaster von Pharao übernommen. Bei aller Liebe ist nicht alles Gold was glänzt, ich würde mir mehr Abwechslung und tiefere Interaktion mit den anderen Städten wünschen. Eine Neuauflage von Zeus würde ich auch deshalb begrüßen, eine derartige Ankündigung würde mich aber auch sehr überraschen.

Ich hoffe, ich konnte euch das Spiel näherbringen. Und vielleicht versucht sich ja einer von euch als Oberhaupt einer griechischen Polis. Ich finde, dass Zeus für Freunde des Genres eine Reise wert ist!