RTS-Remaster Duell Runde 2: Age of Empires 2 Definitive Edition vs. WarCraft 3 Reforged

Title. Links: Age of Empires 2: Definitive Edition Promo. Rechts: Loading Screen Artwort für Blizzcon Demo of WarCraft 3 Reforged von Eilene Cherie
Links: Age of Empires 2: Definitive Edition Promo. Rechts: Loading Screen Artwort for Blizzcon Demo of WarCraft 3 Reforged von Eilene Cherie

Das Duell der RTS-Remaster zwischen Microsoft und Blizzard geht in die zweite Runde. Die erste hat für mich der Konzern aus Redmond mit Age of Empires: Definitive Edition gegenüber StarCraft Remastered recht klar entschieden.
Aber das ist Vergangenheit, heute geht es um mehr: mit Age of Empires 2 Definitive Edition und WarCraft 3 Refoged steigen die Neuauflagen von zwei noch größere Legenden der Echtzeitstrategie in den Ring, wenn auch unter unterschiedlichen Voraussetzungen: WarCraft 3 ist deutlich jünger und hat mit den Rollenspielelemente und deutlich kleineren Armeen einen etwas anderen Fokus als das eher klassische, auf Wirtschaft und Massenschlachten ausgerichtete Age of Empires 2. Für mich hinkt der direkte Vergleich deshalb etwas, aber hier zählt für mich allein der Sprung gegenüber dem Original: was wurde verbessert, neu hinzugefügt oder gar verschlimmbessert? Da es "nur" Remaster sind sollte das Kernspiel unangetastet bleiben und da sind beide bis heute zu den besten im Genre. Das heißt aber nicht, dass ich Neuerungen abseits der Grafik und Kerngameplay verteufle, bei so alten Spielen ist die Bedienung häufig nicht so komfortabel und Wegfindung ist in Strategiespielen sowieso immer ein Diskussionspunkt, da begrüße ich Verbesserungen.

Inhalt

Runde 1: StarCraft Remastered vs. Age of Empires Definitive Edition

Hier nur eine kurze Zusammenfassung, für Detail gibt es eigene Artikel zu StarCraft Remastered und Age of Empires Definitive Edition. Für mich haben Microsoft und Forgotten Empires das Duell für sich doch klarer als gedacht entschieden als ich es erwartet hatte. Natürlich hatte die Neuauflage von Age of Empires mit Problemen zu kämpfen, gerade die Stabilität und Komfort im Multiplayer-Modus war Verbesserungswürdig und ist es eigentlich immer noch, ein automatisiertes Matchmaking gehört für mich heute einfach dazu. Aber die vielen Verbesserungen am Interface haben für mich den Ausschlag gegeben. Ich bin kein puristischer Fan, der jede noch so kleine Änderung daran verteufelt, sondern eher mich nicht mehr mit mieser Wegfindung und heute unnötigen Komfort-Einschränkungen rumärgern will. Zwar hat das Studio Forgotten Empires hier auch keine perfekte Lösung abgeliefert, vor allem die Wegfindung ist immer noch etwas hackelig und die KI verhält sich manchmal etwas seltsam, aber sie haben sie definitiv verbessert – etwas, was man von Blizzard nicht behaupten kann, da tat sich in diese Hinsicht rein gar nichts. Und selbst bei den grafischen Verbesserungen patzen sie, in StarCraft Remastered wirkt vieles nicht wie aus einem Guss, speziell der Unterschied von Einheiten zum Untergrund.
Was auch dazu kommt: trotz ihrer Arbeit an der Definitiv Edition von Age of Empires 2 hat Microsoft den Vorgänger nicht vergessen und weiter daran gearbeitet, wenn auch unregelmäßig: die Wegfindung wurde ebenso wie die Skirmish-KI nochmals verbessert und im Multiplayer gibt es ein ELO-System, mit dem man ähnlich starke Gegner leichter finden kann. Blizzard hat bei StarCraft Remastered nicht viel getan, eigentlich gibt es nur kosmetischen Kram wie neue Announcer und Konsolen-Skins, die man schon aus StarCraft 2 kennt. Optional gibt es dazu ein Skin-Paket, welches die Grafik in den Stil der beliebten StarCrafts-Cartoons versetzt, gegen Bezahlung natürlich. Für den Multiplayer gibt es ein Season- und Rankingsystem wie in StarCraft 2, bei dem man sich Portraits verdienen kann. Nett, aber nichts gravierend neues und vor allem geht es nicht die Probleme an, die mich am meisten stören: Bedienung und Wegfindung sind noch genauso mies wie 1998 und damit für mich völlig inakzeptabel.

Grundlegender Vergleich

Beide Spiele doch recht unterschiedlich, auch wenn es beide im Kern Echtzeitstrategiespiele sind: Age of Empires 2 ist ein eher klassisches RTS, mit Fokus auf großen Schlachten und einer komplexen Wirtschaft, nicht zu vergessen die Umfangreiche Forschung. WarCraft 3 dagegen nimmt sich deutliche Anleihen beim Rollenspiel-Genre, mit den Helden die im Spiel auflevel und den Einheiten, die sehr oft über Spezialfähigkeiten verfügen. Die Schlachten sind deutlich kleiner, was zum einen am deutlich niedrigen Einheitenlimit liegt (100 gegen 200, Standardmäßig) und dass Einheiten fast immer mehr als eine Einheit davon belegen. Die Wirtschaft ist mit ihren zwei Ressourcen und generellen Aufbau deutlich einfacher, der Technologiebaum deutlich simpler. Dafür hat es vier komplett unterschiedliche Völker mit komplett eigenen Einheiten, während sich die in Age of Empires viel mehr an Details unterscheiden, aber im großen und ganzen die gleichen Einheiten ins Feld führen. Im Multiplayer ist Age of Empires 2 das deutlich Variantenreichere Spiel, schon der Unterschied zwischen Land- und Wasserkarten ist gravierend, dazu gibt es noch spezielle Modi wie Sudden Death oder Deathmatch. WarCraft 3 muss dafür zumindest von Nutzern erstellte Karten aufbieten, ins Spiel ist nur ein Standard-Multiplayer-Modus integriert. Dafür gibt es mittlerweile eine gigantische Auswahl an Karten, die teilweise komplette Genre begründeten, wie Tower Defence oder MOBAs.
Sie sprechen doch recht unterschiedliche Zielgruppen an, zudem hat WarCraft 3 mit der Community von World of WarCraft eine gänzlich andere noch in der Hinterhand hat, während Age of Empires immer ein Strategiespiel-Serie war.

Age of Empires 2 Definitive Edition

Screenshot: Große Schlachten gzeichnen Age of Empires 2 aus
Große Schlachten zeichenn Age of Empires 2 aus

Für Microsoft steht hier viel auf dem Spiel: kann man die Definitive Edition des ersten Teils noch als Probelaufe sehen, da er nur noch eine sehr kleine Fangemeinde hat, mit Ausnahme von Vietnam, wo es sehr beliebt ist. Der zweite Teil wird hingegen auch viele Jahre nach dem Release und trotz Nachfolger von einer treuen Community am Leben gehalten, die bis heute Turniere ausrichtet. Das führt zu einer deutlich höheren Fallhöhe als beim ersten Teil, vor allem dessen Startschwierigkeiten dürfen sich hier nicht wiederholen, dass würde für Age of Empires 4 nichts gutes bedeuten.

Der Sprung von Age of Empires 1 zu 2 war trotz den nur zwei Jahren Entwicklungszeit (in die auch noch das Addon Rise of Rome fiel) doch sehr ordentlich aus. Zwar war es keine Revolution, hat aber die wenigen Schwachstellen des ersten Teils gut angegangen: die Grafik ist deutlich detaillierter, vor allem die Gebäude sind nun in einem realistischeren Maßstab im Vergleich zu den Einheiten gezeichnet. Die Wegfindung wurde verbessert und dank der Formationen lief es nicht mehr so chaotisch ab. Für mich eine wichtige Neuerung waren die Toren, endlich musste ich keine Lücken mehr in meinen Mauern lassen (auf die Idee, sie einfach zu zu bauen und bei Bedarf Stück zu entfernen, bin ich nicht gekommen. Ich kann doch nicht einfach etwas abreißen, was ich mit Ressourceneinsatz gebaut habe). Beim Setting war ich nicht so begeistert, zwar ist das Mittelalter auch eine spannende, historische Epoche, mich fasziniert die Antike aber nach wie vor mehr, es war aber auch die logische Fortführung. Letztlich habe ich nach dem Release für fast ein Jahr kaum etwas anderes gespielt, vor allem 4v4 mit der KI auf Dunkler Wald oder Team Inseln. Aber nur gegen die Einfache, zu mehr war ich einfach nicht fähig. Das ein Jahr später erschienene Addon The Conqueros habe ich nicht mehr so ausgiebig gespielt, da brauchte ich wohl doch etwas Abwechslung.

Die Definitive Edition zum zweiten Teil soll ein richtiges Rundum-Sorglos-Paket werden: neue Grafiken, überarbeitet Musik und vor allem: mehr Komfort bei der Bedienung. Das hat schon beim ersten Teil sehr gut funktioniert, deshalb war ich auch guter Dinge, dass das jetzt wieder klappt. Dazu kommen vier neue Völker (für insgesamt 35), drei neue Kampagnen (macht jetzt 27) für Solospieler. Aber auch der Multiplayer wurde nicht vergessen, neben automatischen Matchmaking wurde die Balance überarbeitet sowie Wegfindung und Performance verbessert. Ziemlich viel auf einmal, dafür will Microsoft nur 20€, wer die HD-Version auf Steam hat zahlt nur 15€, dazu ist es in Microsofts‘ Aboservice GamePass enthalten.

Screenshot: Die neuen Zivilisationen haben ein neue Gebäudegrafiken bekommen
Die neuen Zivilisationen haben ein neue Gebäudegrafiken bekommen

Mehr Komfort und bessere Grafik: Die Technik

Beim ersten Anspielen war ich mir nicht so sicher, wie viel sich wirklich verbessert hatte, es wirkte alles so vertraut. Bei der Definitive Edition zum Vorgänger fielen mir die deutlich detaillierteren Einheiten und Gebäude direkt ins Auge, beim zweiten Teil weniger. Erst als ich zum direkten Vergleich die HD-Edition von 2013 wieder auspackte, die außer höheren Auflösungen nichts brachte, war der Unterschied dann doch deutlicher zu sehen: die breitere Farbpalette (Age of Empires 2 war auf 256 Farben gleichzeitig beschränkt) und höher aufgelöste Sprites sorgen für einen deutlich höheren Detailgrad. Der Stil ist aber sehr nahe am Original, so dass ich ich mich sofort heimisch fühlte und jede Einheit wieder erkannte, was bei der schieren Masse keine leichte Aufgabe ist. Vor allem kann man jetzt viel weiter heran zoomen, braucht evtl. den kostenlosen, optionalen 4k Pack, aber selbst dann sind alle Gebäude, Einheiten und Details wie Bäume und Steine knackscharf. Allerdings hat das seinen Preis: das Spiel belegt bei mir aktuell schlappe 42GB auf meiner Festplatte – im Vergleich zur CD-Version, die bei Vollinstallation auf geradezu lächerliche 1,5GB kommt und die HD-Version, die mit allen DLCs nur knapp 5GB belegt. Allerdings muss ich auch anmerken, dass ich meistens nicht so weit heran gezoomed spiele. Reicht einem die normale Ansicht, kommt man mit ungefähr 30GB ohne den 4K-Pack aus, in der normalen Spielansicht gibt es keinen Unterschied.
Fast schon die kleineren Neuerungen sind ein optionaler Bloom und Schärfefilter, ersterer sorgt gerade bei tropischen Karten die richtige Stimmung. Dazu wurde das Wasser erneut überarbeitet und sieht nun noch besser aus als in der HD-Version, aber auch das kann man deaktivieren. Wie im Vorgänger gibt es nun schicke Animationen, wenn ein Gebäude zusammenkracht, inkl. einer passenden Staubwolke. Für Profis kann man auf die Landschaft ein Gitter zeichnen lassen, wodurch man einfacher Gebäude platzieren und vor allem Lücken finden und schließen kann. Bisher brauchte man dafür Mods, nun hat man es direkt im Menü. Nicht enthalten ist das verbreitete "Pussywood"-Mod, was die Größe der Bäume stark reduziert und die Übersicht verbessert, aber die gibt es im integrierte Mod-Manager bereits. Dafür wird nicht der Steam-Workshop verwendet, sondern ein eigenes System, da das Spiel auch im Windows-Store erhältlich ist. So kommen beide Versionen in den Genuss der Mods, dafür braucht man für den Upload zwingend eine Account bei Microsoft.
Die Anforderungen an den Rechner sind deutlich gestiegen, vor allem an die CPU. Das ist nicht verwunderlich, unter der Haube steckt immer noch die alte 2D-Engine, die zwar deutlich aufgebohrt wurde, aber von den Fähigkeiten moderner Grafikkarten kaum Gebrauch macht bzw. eher machen kann, da die nur 3D-Grafik beschleunigen. Laut den offiziellen Systemanforderungen reicht sogar eine mehrere Jahre alte, integrierte Grafikeinheit, bei der CPU braucht man aber etwas deutlich schnelleres als den Pentium 166, den die CD-Version voraussetzte. Aber trotzdem sind die Anforderungen aus heutiger Sicht recht moderat und sollte selbst auf Business-Notebooks gut spielbar sein. Ist man sich unsicher, kann man den integrierten Benchmark laufen lassen, um in der kompetitiven Ladder mitspielen zu können ist das sogar Pflicht, mehr dazu später.

Die für mich größte Verbesserung ist aber an der Benutzeroberfläche, hier gibt es viele neue Komfortfunktionen: ich sehe unterhalb der Ressource, wie viele Dorfbewohner darauf arbeiten, was mich ein Ungleichgewicht in der Wirtschaft schnell erkennen lässt. Auch wird die Anzahl der untätigen Dorfbewohner angezeigt, was auch ganz praktisch ist. Letzteres gab es auch schon in der Definitive Edition zu Age of Empires 1, allgemein ähneln sich die Interfaces recht stark. Im direkten Kontrast zur HD-Version ist das Interface deutlich besser auf hochaufgelöste Monitore ausgelegt, in der alten Version werden gerade die Buttons recht klein und durch ihre Platzierung nahe an den Ecken wurden die Wege über den Bildschirm sehr lang. Für Profis gibt es jetzt Hotkeys für wirklich alles, inklusive der Entwicklung von Technologien. Das einzige, was mir nicht gefällt, ist dass die Zivilisationen nicht mehr über ihre Spezialeinheit, sondern ein Wappen unterschieden werden. An die habe ich mich schlicht noch nicht gewöhnt, evtl. wird das mit der Zeit besser oder ich installiere mir eine Mod dafür. Bei der HD-Version habe ich direkt eine installiert, welche die alten Ressourcen-Icons ins Spiel brachte, die neuen mochte ich gar nicht.

Screenshot: Große Gebäude wie Burgen stürzen eindrucksvoll in sich zusammen.
Große Gebäude wie Burgen stürzen eindrucksvoll in sich zusammen

Etwas weniger hat sich bei den Sounds und Musik getan. Die Musik wurde zwar neu eingespielt, aber es klingt nicht nach einem echten Orchester. Ich bin jetzt alles, aber kein Fachmann auf diesem Gebiet, aber irgendwie klingt es nicht so echt sondern eher nach Konserve. Bei Age of Empires: Definitive Edition wurde dafür noch ein echtes Orchester engagiert, zumindest für einen Teil. Es gibt auch einen zweiten Teil des Soundtracks zu kaufen, der auch nicht mehr so "echt" klingt. Und in einer ähnlichen Kategorie spielt auch der von Age of Empires 2: Definitive Edition. Nicht dass es schlecht klingt, ganz im Gegenteil, es ist schon ein deutliches Ugprade. Aber nicht so stark wie es hätte sein können, zumindest aus meiner Sicht.
Bei den Sounds habe ich kaum etwas gemerkt, wenn sie verändert wurden, dann nur marginal gegenüber dem Original. Was neu ist sind die Sprecher in der Kampagne, sowohl Charaktere als auch die Bildershow vor und nach jeder Mission wurde neu vertont. Ich weiß jetzt nicht ob es das wirklich gebraucht hätte, aber soweit ich sie gehört habe, sind die (englischen) Sprecher durch die Bank sehr gut. Die Grafiken wurden auch komplett neu erstellt, die Hintergründe und Zeichnungen sind deutlich detaillierter, aber haben auch einen etwas anderen Stil, das wird bestimmt nicht jedem gefallen, ich fand sie aber eine gute Verbesserung.

Neue Inhalte: The Last Khans

Age of Empires 2: Definitive Edition ist nicht nur ein grafisches und technisches Upgrade, es gibt auch neue Inhalte in Form einer integrierten Erweiterung: genauer gesagt vier zusätzliche Völker, was die Gesamtzahl auf 35 schraubt. Natürlich unterscheiden sie sich nicht so stark untereinander wie bei StarCraft, aber die Entwickler haben es doch geschafft, den vier Neulingen genug Eigenheiten zu verpassen. Alle Völker drehen sich um das Thema The Last Kahns, was der inoffizielle Name der Erweiterung ist, ähnlich wie African Kingdoms oder Rise of the Rajas für die HD-Version, entsprechend stammen sie aus dem Baltikum oder der osteuropäischen bis asiatischen Steppe. Das neue Set an Gebäudegrafiken, mit dem hellbraunen Gebälk und den blauen Kuppeln sieht schonmal schick aus, aber auch spielerisch haben sie einiges auf dem Kasten: beispielsweise können die Kumanen bereits in der Feudalzeit ein zweites Dorfzentrum errichten, die Kavallerie der Lithauer teilen für jedes gesammelte Relikt mehr Schaden aus. Die Spezialeinheit der Tartaren, der Keshik, generiert beim Angriff auf gegnerische Einheiten Gold, während die der Bulgaren, der Konnik, nach seinem Tod quasi nur vom Pferd springt und als Infanterieeinheit weiter kämpft. Dazu bekommen sie mit dem Krepost eine Art Mini-Burg. So große Unterschiede hätte ich bei einem Spiel, das bereits über 35 Civilizationen verfügt gar nicht erwartet.
Allgemein gab es ein paar Änderungen am Techtree, so kamen neue Technologien dazu, wie dass man die kosten der Schwertkämpfer-Linie senken kann, während andere gestrichen wurden. Ich bin jetzt aber nicht ganz so tief drin in der Materie um wirklich sagen zu können, wie sie sich auf die Balance auswirken, aber es gab keine Beschwerden von Top-Spielern, deshalb denke ich, dass sie passen.
Passend zu den neuen Völkern gibt es drei neue Kampagnen, die sich um die Nachfolge der mongolischen Kahns drehen und vor allem die neuen Völker im Fokus haben. Die Details dazu gibt es aber später, wo ich sie auch mit den älteren vergleiche.

Die alten Missionen haben kleine Updates bekommen.

Als kleinere, aber wichtige Neuerung gibt es den Art of War genannten Spielmodus. In fünf Tutorials werden wichtige Strategien und Aspekte des Multiplayers als interaktive Tutorials gelehrt, inkl. Medaillen je nach abschneiden. Für Neulinge ist das eine gute Sache, damit sollte man Online nicht komplett unter die Räder kommen, aber zum Großmeister wird man nur durch diese fünf Missionen auch nicht.

20 Jahre Content: Die Kampagnen

Für als primären Singleplayer-Spieler ist Kampagne der wichtigste Modus und ich war schon gespannt auf die Neuerungen. Alle bisherigen Kampagnen inkl. der Addons für die HD-Version sind dabei, ebenso wie drei neue, was, wenn ich mich nicht verzählt habe, die Anzahl auf 27 bringt. Die Eroberer-Schlachten, die einzel gespielt werden habe ich dafür als einen Kampagne gezählt und William-Wallace-Tutorial-Kampagne ist auch mit drin. Ich habe nicht alle durchgespielt, sondern nur aus jeder Erweiterungen ein oder zwei jeweils die ersten paar Missionen gespielt, ich wollte nur reinschauen und mir einen Überblick verschaffen. Alle Kampagnen haben je fünf bis sechs Missionen, dazu kommen 18 Einzelszenarien in der Eroberer-Kampagne. Bei einer Spielzeit von 30-60 Minuten pro Mission ist man damit lange beschäftigt.
Neu ist dass sie anders organisiert sind, statt nach Erweiterung sind sie nun nach Kontinent aufgeteilt und es gibt keine klare Reihenfolge mehr, speziell was den Schwierigkeitsgrad angeht. Sie sind mit ein bis drei Schwertern markiert, was wohl den Schwierigkeitsgrad darstellen soll, das ist aber sehr grob. Vor allem, da Barbarossa, die schwersten Kampagne aus dem Grundspiel, auch nur ein Schwert hat und mir als Kind wirklich einiges an Kopfzerbrechen bereitet hat. Also, solange bis ich die Cheats aktiviert habe…

Bei den alten Kampagnen gab es doch ein paar Änderungen, aber nichts fundamentales: in der ersten Missionen der Johanna-von-Orlean-Kampagne gibt es beispielsweise Schneetexturen, was es im Grundspiel schlicht nicht gab. Man bekommt teilweise auch andere Einheiten, hauptsächlich solche, die gut dazu passen und es ursprünglich nicht gab. So haben die Spanier, wie im Multiplayer, statt des westeuropäischen nun das mediterrane Gebäudeset, dass mit der Erweiterung The Forgotten für die Italiener dazu kam und auch für die Portugiesen aus African Kingdoms genutzt wird. Alle Zivilisationen schöpfen aus dem neuen Techtree der Definitive Edition, der sich an einigen Details zu den vorherigen unterscheidet. An den Missionsziele und dem generellen Aufbau hat sich aber nichts geändert.
Generell spielt sich alles sehr klassisch, die meiste Zeit baut man seine Wirtschaft auf, hebt eine Armee aus und muss einen oder mehrere Gegner besiegen. Gelegentlich gibt es Missionen ohne Wirtschaft, wo man mit einer vorgegebenen Armee auskommen muss. Es gibt nur kleine Sache, z.b. dass man Verbündete Rekrutieren kann indem man Ziele für sie erfüllt, das war es aber im großen und ganzen schon an Varianten. 1999 war das völlig normal, heutzutage haben Missionen aber häufig mehr Dynamik durch sich ändernde Ziele oder spezielle Missionsziele. Hier merkt man ein wenig den Zahn der Zeit, auch die neueren Missionen bieten wenig mehr. Ein Problem wurde aber angegangen: hat man eine Heldeneinheit gibt es Missionen, in denen sie sterben darf ohne dass man die Mission verliert. Stattdessen erscheint sie nach einiger Zeit neu an einem Gebäude. Dadurch sind sie zu mehr als nur Basisverteidigung gut, allerdings gibt es da nur in wenigen, vor allem neueren Missionen. Ob das geht sieht man an den Missionszielen oder im Hilfe-Fenster, dass man vor jeder Mission konsultieren sollte, da es einige Infos zur Mission und Tipps gibt.
Vor und nach jeder Mission gibt es eine vertonte Bilderreihe, welche die Geschichte weiter erzählt. Die wurden neu gezeichnet und vertont, auch hier ist alles detaillierter und moderner gezeichnet. Neue Sprecher hätte es aus meiner Sicht nicht unbedingt gebraucht, aber sie sind auch alles andere als Schlecht.

Die Bilder der Slideshow vor und nach jeder Mission wurden neu gezeichnet und vertont.

In 2020 angekommen: Skirmish und Multiplayer

Für mich sind die Multiplayer Modi nicht der wichtigste Teil, aber ich wollte doch noch kurz reinschauen.
Es gibt aktuell zwei große Neuerungen: zum einen eine neue KI, die nochmal deutlich stärker als die der HD-Version sein soll. Sie spielt zumindest anders, und wird speziell später im Spiel, wenn ihre Wirtschaft stark ist und sie quasi unendlich Einheiten produzieren kann quasi unaufhaltsam. Gegen schnelle Rushes ist sie aber immer noch sehr anfällig und kommt nur schlecht mit Wasserkarten zurecht, es gibt also noch Luft nach oben. Für ein so komplexes Spiel wie Age of Empires spielt sie aber doch ordentlich.
Das zweite ist der Modus "Empire Wars": man sollte in der Feudalzeit starten und hat direkt eine brauchbare Wirtschaft, das beschleunigt vor allem das Spiel weil der doch sehr gemächliche, aber nicht sonderlich spannenden Teil in der Dunklen Zeit komplett übersprungen wird. Ich finde den Modus eine gute Ergänzung zu den bestehenden, die bereits einiges an Abwechslung bieten. Vor allem dürfte er deutlich spannender zum zuschauen sein, in naher Zukunft wird das zu ein Turnier vom bekannten Streamer Nili_AoE geben.

Und Allgemein hat Age of Empires 2 das Problem, dass es nicht wirklich gut für Zuschauer geeignet ist. Nicht nur das die Matches sehr lang sind und schon ein einfaches 1-gegen-1 nicht selten eine Stunde oder noch länger dauert, durch die vielen versteckten Boni ist es auch schwer zu durchschauen. Dass alle Völker größenteils die selben Einheiten ins Feld führen, die sich dann nur Anhand der verfügbaren Upgrades unterscheiden, macht die Sache nicht besser. Da haben Spiele wie StarCraft mit ihrer klaren Abgrenzung zwischen den wenigen Völkern deutlichen Vorteile, das ist ein prinzipielles Problem von Age of Empires, dass die Unterschiede fast nur in den Details stattfinden. Daran ändert auch die Definitive Edition nichts, das ging sogar soweit, dass Top-Spieler Hera in einem Match pausierte, um die Kosten für ein Upgrade im Techtree einzusehen. Dass zu adressieren dürfte eher eine Aufgabe für Age of Empires 4 sein.

Im Multiplayer sticht eine große Neuerung heraus: es gibt automatisiertes Matchmaking und eine kompetitive Ladder. Früher musste man noch in der Lobby passende Spiele suchen, was auch immer noch geht, aber die neue Option macht es deutlich einfacher, ein Spiel mit einem passenden Gegner zu finden. Bei dem Variantenreichtum von Age of Empires 2 ist es gar nicht einfach, ein gutes System zu finden, aber mir gefällt was die Entwickler eingebaut haben: man sucht, wenn ein Gegner gefunden wurde wird die Map angezeigt und man wählt unsichtbar für den Gegner eine Zivilisation aus, wofür man eine Minute Zeit hat. Das finde ich persönlich etwas lang, aber ich habe ansonsten kaum Beschwerden darüber gehört, dann wird es schon passen.
Es gibt wohl noch technische Probleme mit Disconnects, da ich selber kaum online spiele kann ich dazu nicht viel sagen. Es scheint aber aktuell kein übermäßiges Problem zu sein, so zahlreich sind die Probleme dann auch wieder nicht. Aber die Entwickler arbeiten daran, was schonmal ein gutes Zeichen ist.

Fazit

Screenshot: Die Spanier nutzen nur das mediterrane Gebäudeset, was besser zu ihnen passt als das allgemein, Westeuropäische
Die Spanier nutzen nur das mediterrane Gebäudeset, was besser zu ihnen passt als das allgemein, Westeuropäische

So macht man ein Remaster! Nicht nur sind die grafischen Upgrades sehr detailliert, aber behalten den Stil bei, damit man sich sofort zurecht findet. Mein Highlight sind die neuen Komfortfunktionen, die es viel angenehmer machen, das Spiel zu spielen, ohne ihm irgendwas wegzunehmen. Dazu gibt es mit den drei neuen Kampagnen und vier neuen Völker auch neuen Content. Der Multiplayer wurde um ein automatisches Matchmakingsystem erweitert und die neuen Modi sollten auch weniger kompetitive Spieler ansprechen. Und das alles für den Preis von 20€, was ich schon an sich als absolut Fair erachte, wer die HD-Edition bereits hat zahlt nur noch 15€ – ein wie ich finde sehr feiner Zug von Microsoft. Und wem das alles nicht zusagt, kann bei der HD-Version bleiben, die wird weiter verkauft und die Mulitplayer-Server laufen weiterhin.
Aber es ist noch nicht alles perfekt: im Multiplayer ist die Balance noch etwas wacklig und es gibt Berichte über Verbindungsabbrüche. Dazu gab es gerade zu peinliche Bugs wie Wälle, die ihre einzige Funktion nicht korrekt ausführten, dafür gab es aber schnelle Hotfixes. Dazu kommuniziert das Team viel mit der Community und bringt neben den Hotfixes einmal im Monat große Updates heraus. Deshalb bin ich mir sicher, dass wenn es in Zukunft größere Probleme gibt, die auch schnell behoben werden.
Allerdings muss man auch sagen: man merkt dem Spiel an, dass es eigentlich aus dem Jahr 1999 stammt: das Design der Missionen wirkt wie aus einer vergangen Zeit und allgemein spielt es sich auch so. Das ist jetzt nicht schlecht, aber wer neuere Strategiespiele wie WarCraft 3 oder StarCraft 2 kennt, bekommt evtl. einen kleinen Schock. Es ist zwar ein Meilenstein des Genres, aber man merkt ihm das Alter auch etwas an.

WarCraft 3 Reforged

Screenshot: Große Schlachten gibt es in WarCraft 3 eher selten
Große Schlachten gibt es in WarCraft 3 eher selten

Auch WarCraft 3 musste große Fußstapfen füllen, ebenso wie Age oe Empires gilt StarCraft als einer der Meilensteine des Genres, und ich finde, zurecht. Allerdings ließ man sich mehr Zeit, genauer gesagt vier Jahre bis 2002, bis das Grundspiel mit dem Untertitel Reign of Chaos erschien. Und es lies kaum einen Stein auf dem anderen: die Armeen wurden deutlich kleiner, die Anzahl der Völker auf vier aufgestockt (ursprünglich waren sogar sechs geplant) und Rollenspielelemente eingebaut, vor allem durch den Fokus auf Helden. Ein Jahr später erschien im Hitzesommer 2003 das Addon The Frozen Throne, was sich trotz des Namens exzellent verkaufte und vor allem die Geschichte mit drei neuen Kampagnen fortführte und zusätzliche eine reine RPG-Kampagne bot, die über Patches erweitert wurde.
Speziell im Multiplayer habe ich es lange gespielt, da der Einstieg mit automatischen Matchmaking sehr einfach gelingt und sich schnell eine große Turnierszene bildete und im Prinzip bis zum Release von StarCraft 2 hielt. Seitdem blieb sie vor allem in China aktiv, außerhalb ist sie deutlich geschrumpft, wie bei allen Echtzeitstrategiespielen. Die letzten Monate bekam sie aber im Westen deutlichen Auftrieb, wohl auch durch den anstehenden Release des Remasters befeuert.

Zuerst war ich auch einigermaßen gehyped: auf der Blizzcon 2018 wurden Refored groß angekündigt und schlug voll ein (was aber auch daran lag das Blizzard nichts anderes großes hatte * hust * Diablo Immortal * hust *). Es sollte nicht weniger als "reimagining a classic" werden: neue Modelle und Texturen, dazu stark überarbeitete Zwischensequenzen, die deutlich Cineastischer daherkommen, speziell durch deutlich besser animierte Charaktere. Dazu sollen Charaktere wie Jaina Proudmoore und Sylvanas Windrunner, die in WarCraft 3 noch nicht so große Rollen spielten wie in World of WarCraft mehr Raum in der Story eingeräumt bekommen, worauf ich mich sehr gefreut habe.
Mit der Zeit wurde ich aber skeptisch, zum einen, weil fast ein Jahr komplette Funkstille herrschte, nur auf einem Event zu World of WarCraft Classic war eine Demo spielbar. Das war aber exakt die selbe, die Monate vorher auf der Blizzcon bereits gezeigt wurde. Auf der darauf folgenden Ausgabe der Hausmesse von Blizzard kam es nur kurz in der Eröffnungszeremonie vor, wobei Blizzard komischerweise explizit kein Releasedatum nannte, was mich irritierte. In Interviews gab es dann mehr Infos, vor allem, dass sie den Umfang des Remasters deutlich zurückfahren, als Grund wurde User-Feedback angegeben. Ich nehme mal an sie meinen ähnliche Hardcore-Fans die schon verhindert haben, dass StarCraft Remastered sein volles Potential ausschöpfen konnte. Vielleicht war es auch nur eine Ausrede, weil sie anders das Remaster nicht mehr in 2019 rausbringen konnten, speziell die neuen Animationen währen sehr aufwändig zu erstellen. Fand ich alles nicht so toll, da ich mich auf viele der Neuerungen gefreut hatte, aber ich konnte auch nichts dran ändern. Aber selbst damit war ich allgemein skeptisch, zumal die kurz vorher gestartete Beta auch in keinem sonderlich guten Zustand war. Die Verschiebung auf Januar 2020 dürfte da auch nicht mehr viel bringen.

Ein weiteres versprochenes Feature war, die Multiplayer der Classic und Reforged Version kompatibel zueinander, was sinnvoll ist dass die Szene zuletzt deutlichen Zuwachs erhielt, auch außerhalb Chinas, wo das Spiel seit Jahre eine große Nummer ist. Für das alles will Blizzard 30€ haben, ohne Rabatte für Bestandskunden. Legt man noch 10€ mehr hin gibt es noch kosmetischen Kram, wie Skins für je einen Helden der vier Völker und Kram für andere Blizzard-Spiele, wobei Heroes of the Storm nicht mal was wirklich neues bekommt, aber das Spiel ist ja auch im Wartungsmodus.

Sehenswertes Update: die Technik

An einigen Stellen sieht man sehr deutlich, dass unter den neuen Modellen die alte Level-Geometrie steckt

Eigentlich muss man sagen, dass WarCraft 3 Reforged keine wirklich neue Versionist , sondern seit Jahren der Client immer weiter aus- und umgebaut wurde, Reforged ist jetzt die offizielle, große Änderung. Der letzte wirkliche Classic-Client hat die Version 1.27, die krankte vor allem an der sehr mangelhaften Unterstützung von Breitbild-Bildschirmen.
Aber Version 1.28 gab es Schritt für Schritt Neuerungen, die klar auf Reforged hin arbeiteten. In dieser Version gab es erstmals ordentlichen Breitbildunterstützung, statt das Bild stark zu verzerren wurde der Sichtbereich an den Seiten erweitert. Damals wurde das aus Balancing-Gründen nicht gemacht, da heute Breitbildbildschirme aber Standard sind ist es kein Problem mehr. Nach und nach wurde der Client weiter umgebaut, z.b. wurde der Renderer auf Direct3D 11 umgestellt und statt mpq-Dateien wurden auf das CASC-Fileformat umgestellt. Positiver Nebeneffekt: es gibt keine sprachlich getrennten Clients mehr, er enthält alle Sprache, die man per Registry-Eintrag umschalten kann. Die letzte Version vor Refoged ist 1.31.1, die man aber nicht mehr manuell bekommt.

Reforged startet entsprechend mit 1.32, Hauptänderung ist das Menü und die neue Kampagne, dazu später mehr. Spielerisch ist vieles gleich geblieben. Auch das Interface im Spiel ist quasi unverändert. Allerdings wurde der alte Client und vor allem die Multiplayer-Server abgeschaltet. Wer die ältere Version versucht upzudaten bekommt automatisch Reforged untergeschoben, selbst wenn man es nicht gekauft hat. Dann hat man nur den Classic-Modus zur Verfügung, technisch ist es ansonsten aber das gleiche Spiel.
Ich habe einiges im Internet von technischen Problemen wie nicht geladenen Grafiken, schlechter Performance und Abstürzte gelesen. Ich bin davon fast komplett verschont geblieben, außer ein kurzes Stottern der Soundausgabe in einer Zwischensequenz hatte ich keine Probleme.

Die neue Grafik bzw. die neuen Modelle von Refoged stechen besonders heraus, die auch wirklich schön gemacht sind. Selbst wenn man nahe an sie heranzoomed sieht man viel mehr Details und die meisten finde ich sehr gelungen, z.b. sieht der Matschgolem auch wirklich nach Matsch aus und nicht nach braunem Stein. Bei vielen wurde das generelle Aussehen im vergleich zum Original deutlich verändert, vor allem orientieren sie sich stark an World of WarCraft: bei Einheiten wie den Ghoulen musste ich mich erstmal umgewöhnen, auch die Bogenschützen der Nachtelfen wirken deutlich anders. Dazu finde ich nicht alle Modelle gelungen: bei der Bärenform der Druids of the Claw hatte ich zuerst Assoziationen zu Maulwürfen, ihr Körper wirkt zu lang gestreckt und nicht bullig genug für eine Bären. Alle Einheiten habe zudem neue Portraits bekommen, die mich teilweise verwirrten: der Erzmagier sieht für mich eher wie ein Zwerg aus.
In der Oberfläche sieht man auch Portraits der Charaktere, früher waren das noch deutlich detailliertere, die bei Wortmeldungen auch den Mund aufmachten – auch wenn es mehr nach extremen Kaugummi kauen aussah als nach irgendwas anderen. Auch sie wurden überarbeitet, wobei ich vermute, dass sie keinen separaten mehr sind: in der Kampagne, wenn die Kamera nah an die Modelle heran zoomed sehen sie ziemlich identisch aus. Sie bewegen ihre Münder natürlicher, Lippensynchron ist da aber gar nix. Dazu bewegt sich häufig nur der Mund, der Rest des Gesichts ist starr und dadurch wirken einige Modelle wie Puppen, Jaina ist da mein Paradebeispiel.
Aber auch die Modelle von Umgebungsdetails wie Bäumen wurde neu gestaltet, so sehen die in Ashenvale auch so lila aus, wie man sie aus World of WarCraft kennt. Das steigert den Wiedererkennungswert, davor gab es überall nur normale, grüne Bäume. So kleine Details gibt es hin und wieder, fallen aber natürlich nicht so stark auf, wie die der Einheiten und Gebäude.
Blizzard ist auch seine großartigen, gerenderten Zwischensequenzen bekannt, und hier war WarCraft 3 keine Ausnahme. In Reforged gibt es nur kleine Updates, das Intro wurde mit neuen Modellen neu gerendert, der Rest nur hoch skaliert. Aber das lief nicht so besonders gut, vor allem an glänzenden Rüstungsteile sieht man kleine, sternförmige Artefakte – das geht definitiv besser.
Sollten einem die neuen Modelle nicht gefallen, kann man im Menü auf die Classic-Grafiken umschalten, wobei man dann auch die alte Kampagne spielt. Ein netter Bonus: man kann optional den Todesritter und den Dämonenjäger in einer weiblichen Version spielen, die gibt es zusätzlich in einer Low-Poly-Version, die an die alte Grafik angelehnt ist, aber auch etwas komisch aussehen. Für die anderen, nur in der Premium-Version enthaltenen Skins gilt das nicht, die gibt es nur in der Reforged-Version, in Classic werden sie schlicht durch die Standard-Modelle ersetzt.

Screenshot: Die meisten vorgerenderten Zwischensequezen wurden nur hochskaliert, und das nicht mal besonders gut
Die meisten vorgerenderten Zwischensequezen wurden nur hochskaliert, und das nicht mal besonders gut

Bei der Musik haben ich keine Änderung rausgehört, die scheint noch die alte zu sein. Sie war zwar keine ganz antike Midi-Musik, aber man merkt den Qualitätsunterschied in der Aufnahme doch etwas. Auch bei den Sounds scheint alles unverändert zu sein.
Bei der Sprachausgabe wird es etwas knifflig: ich spiele primär mit der englischen, die auch komplett unverändert ist. Die Deutsche (und soweit ich weiß auch alle anderen außer Englisch) wurden aber neu vertont. Ursprünglich sollte auch eine neue, englische Vertonung geben, wohl um die zusätzlichen Story-Elemente einbauen zu können. Aber da das alles verworfen wurde, gab es keinen Grund mehr dafür. Warum die anderen Sprachen aber neu vertont wurden? Weil es da durchaus Änderungen gab: die Texte wurden teilweise etwas umgeschrieben und vor allem: die seit World of WarCraft herrschende Eindeutschung von Eigennamen wurde auch hier fortgeführt. Das heißt: Tschüss Grommash Hellscream und Jaina Proudmoore, hallo Grommash Höllenschrei und Jaina Prachtmeer…

An der Bedienung hat sich noch weniger geändert, die ist im Spiel exakt identisch. Das Interface wurde nicht überarbeitet, das schicke neue, aus der Blizzcon-Demo wurde verworfen. Das mag für Veteranen gut sein, weil sie sich nicht umstellen müssen, aber ein paar Dinge habe sich übe die Jahre seit dem Release von WarCraft 3 als besser herausgestellt. Man kann z.b. nur 12 Einheiten gleichzeitig selektieren, da geht heute deutlich mehr und wäre gerade für Anfänger ein deutliche Verbesserung. Das Hauptmenü wurde neu gestaltet und ist etwas merkwürdig geworden. Es wirkt nicht durchdacht, gerade Optionen einstellen benötigen für mich unnötig viele Klicks. Das alte war jetzt auch nicht so wahnsinnig komfortabel, aber da hätte man gut verbessern können.
Im Spiel selber ist auch alles bei alten, die Wegfindung ist auf dem Stand von 2002, das geht mittlerweile auch deutlich besser. Da man generell mit eher wenigen Einheiten unterwegs ist stört es nicht so stark wie in Age of Empires, aber an Engestellen und Dungeon-Missionen verhacken sich mehrere Einheiten schnell. Für Hotkeys gibt es kein Menü wie in Age of Empires 2: Definitive Editon oder StarCraft 2, man muss wie in 2003 in einer Textdatei rumschreiben. Es gibt zwar auch die Option für die beliebte Grid-Anordnung, aber die funktioniert auf deutschen Tastaturen (und wahrscheinlich allen außer Standard-Englischen) nicht gut, weil sie ganz links unten Z statt Y erwartet.
Das sind alles so kleine Dinge, die den Blizzard-Polish vermissen lassen. Es mag nichts großes sein und niemanden davon abhalten, das Spiel zu spielen, aber es macht den Eindruck, hier wurde nicht mit allerhöchster Sorgfalt gearbeitet, sondern ein schneller Release im Vordergrund stand und allgemein das Remaster lieblos wirken lässt.

Marginal verbesserter Klassiker: Die Kampagne

Die Zwischensequenzen in Spielgrafik wurden überarbeitet, aber nicht so stark wie ursprünglich angekündigt

Für mich der wichtigste Teil des Spiel, die Kampagne habe ich als nicht weniger als legendär in Erinnerung, speziell die des Grundspiels Reign of Chaos. Beim Addon wird es etwas lichter, da erinnere ich mich nicht mehr an jede einzelne Mission, aber an die meisten.

Generell wurde die Trennung zwischen dem Grundspiel und dem Addon entfernt, was aber auch heißt, dass man alle Kampagnen chronologisch spielen muss – die Kampagnen des Addons und die kleine Bonus-RPG-Kampagne wird erst nach und nach freigeschaltet. Das hat mich erst ein wenig geärgert, weil ich für diesen Artikel eigentlich nur kurz reinschauen wollte, da ich keine alten Spielstände mehr habe hätte ich erst alles freispielen müssen. Aber da mich die Kampagne von Anfang an direkt wieder in ihren Bann gezogen hat, habe ich sie komplett durchgespielt.

Die Frage ist jetzt natürlich: was ist alles neu? Ursprünglich wurden ja zusätzliche Storystränge und beeindruckend animierte, überarbeitete Zwischensequenzen angekündigt. Das wurde zwar auf der Blizzcon letztes Jahr zurückgenommen, aber da u.a. zu Release noch eine Weile damit geworben wured ist ein Shitstorm entstanden, dazu aber später mehr.
Im Großen und Ganzen ist die Kampagne deshalb unverändert, abseits der grafischen Updates sind fast alle Missionen exakt identisch zum Original. Es gibt genau zwei Abweichungen: die erste ist die legendär Mission "The Culling" aus der Menschen-Kampagne des Grundspiels, die man auch auf der Blizzcon 2018 gezeigt hat und anspielbar war. Die Mission an sich sieht auch genauso aus wie gezeigt, vor allem orientiert sich das Layout der Stadt deutlich am Dungeon aus World of WarCraft. Spielerisch ist sie fast identisch zum Original, nur erscheint bei manchen zerstörten Häusern keine Bewohner, sondern eine Art Bossgegner, der gute Gegenständen fallen lässt, wenn man ihn besiegt. Die Zwischensequenz am Anfang wurde zwar wie alle anderen überarbeitet, aber bei weitem nicht so stark wie in Demo gezeigt. Dort sieht sie sehr cinematisch aus und die Charaktere sind sehr detailliert animiert, in der veröffentlichen Version wirkt sie aber eher wie eine aus dem Grundspiel: die Figuren stehen rum, machen maximal grobe Gesten und eine Mimik ist kaum vorhanden. Die zweite Mission ist aus der Untoten-Kampagne des Grundspiels, namentlich "The Fall of Silvermoon". Grundlegend spielt sich die Mission gleich, aber auch hier wurde das Layout angepasst, vornehmlich damit es mit dem Warbringers-Kurzfilm rund um Sylvanas zusammenpasst. Das Layout der Stadt hält sich nur sehr grob daran, wie Silvermoon in World of WarCraft aussieht, aber deutlich mehr als das Original. Die Sequenz, in der Arthas Sylvans nur Banshee macht kann man nun nicht mehr auslassen, sobald man sich dem Haupttor von Silvermoon nähert startet der Kampf. Dafür bekommt man sie nicht nur als stärkere Banshee-Einheit, sondern als Helden mit eigenen Fähigkeiten, was für mich eine nette Zugabe ist.

Screenshot: Ein paar ikonische Missionen und Szenen bekamen ein größers Upgrade, bleiben aber weit unter dem, was ursprünglich versprochen wurde
Ein paar ikonische Missionen und Szenen bekamen ein größers Upgrade, bleiben aber weit unter dem, was ursprünglich versprochen wurde

Und das wars leider auch schon. Ich habe nicht alles Pixel für Pixel verglichen, aber das Layout und die Missionen sind ansonsten fast identisch zum Original. Nicht dass ich mittlerweile viel mehr erwartet hätte, aber ich bin doch enttäuscht. Die zwei Missionen, die maßgeblich verändert wurden zeigen, was da an Potential drin steckt. So kleine Details wie die Bossgegner in Stratholm oder dass man Sylvanas als eigene Heldeneinheit bekommt zeigt, dass selbst so kleine Details das Spiel besser machen können ohne es zu verfälschen.

Spielerisch gibt es nur ein paar Detailverbesserungen: so werden bestimmte Gegner als rote Schädel auf der Minimap angezeigt (z.b. Mal’Ganis in The Culling) und die Missionsziele mit gut sichtbaren Ausrufzeichen markiert. Das Balancing wurde auch geändert, bzw. an das von The Frozen Throne angepasst: Magie- und Heldenschaden sowie Ungepanzert-Rüstungsklasse gab es im Grundspiel noch nicht, in der Reforged-Kampagne wurden aber alle Einheiten dahingehend geändert. Das macht manche Missionen etwas einfacher, andere schwerer, aber nicht maßgeblich. Eine nette Neuerung ist, dass Verbrauchsgegenstände im Inventar der Helden stapeln lassen: hat man z.b. zwei Heiltränke, belegen die nicht mehr zwei Slots sondern nur noch einen. Das geht bis sechs Einheiten, dann wird ein weiterer Platz belegt, was aber nur sehr selten vorkommt. Dadurch kann man mehr Heilitems mitnehmen, was die Sache etwas einfacher macht. Nicht dass die Kampagne von WarCraft 3 jemals wirklich schwer war, zumindest habe ich sie nie so empfunden, ich bin aber auch erfahrener Echtzeitstrategiespieler. Sollte jemand es trotzdem zu schwer sein, gibt es einen neuen Story-Modus, der den Schwierigkeitsgrad nochmal runter fährt. Und der ist wirklich einfach, was aber primär darüber gelöst wurde, das die Gegner geradezu lächerlich wenig Lebenspunkte haben, sich ansonsten aber ziemlich gleich verhalten. Da sie mir aber Normal schon fast zu einfach ist, habe ich ihn nur kurz ausprobiert. Für jemanden, der nur World of WarCraft kennt und WarCraft 3 zum erste mal spielt und allgemein keine Erfahrung mit Echtzeitstrategie hat und evtl. auch keine Lust auf den ganzen Stress kann dass eine gute Neuerung sein.

Bei aller Kritik und Enttäuschung über die fehlenden Neuerungen muss man auch sagen: WarCraft 3 ist auch in der Kampagne immer noch ein fantastisches Spiel. Ich habe zuerst nur mit der Classic-Version angefangen um mir ein Bild zu machen, habe dann aber Refoged gekauft, weil es mich sofort wieder in seinen Bann gezogen hat. Es spielt sich einfach verdammt gut. Es ist schwer zu beschreiben, aber das Missions-Design und allgemein das Gameplay flutscht irgendwie so gut, dass ich direkt wieder angefixt war. Ich wollte eigentlich nur kurz reinschauen, habe es aber am Ende doch komplett durch gespielt.

Screenshot: Neue Modelle orientieren sich stark an dem Look der Charaktere in World of WarCraft
Neue Modelle orientieren sich stark an dem Look der Charaktere in World of WarCraft

Hat man kein Reforged oder spielt im Classic Modus, spielt man auch die alte Kampagne. Das heißt: keine überarbeiteten Missionen, Zwischensequenzen und Balancing. Was bleibt ist der Story-Schwierigkeitsgrad und die neuen deutsche Synchronisierung, da hat man auch keine Auswahl. Unverständlicherweise wird der Kampagnenfortschritt nicht zwischen den beiden geteilt, man müsste als die Kampagne zweimal in beiden Modi durchspielen. Aber dafür habe ich eine Lösung gefunden, das bespreche ich aber separat.

Eine letzte Sache, die aktuelle fehlt, ist die Unterstützung von eigenen Kampagnen. Man kann von Spielern erstellte Karten spielen, aber im Addon The Frozen Throne kam die Möglichkeit dazu, sie in eine Datei zu verpacken (etwas, was Konkurrent Age of Empires bereits beim ersten Teil 1997 konnte). Diese Funktion ist in Reforged aktuell nicht verfügbar, egal of Reforged oder Classic-Mode. UNd das ist wirklich schade, es gibt einige wirklich gute, von Usern erstellte Kampagnen, auf die man aktuell verzichten muss, außer man hat noch einen alten Client rumliegen und updated ihn nicht.

Die Baustelle: Skirmish und Multiplayer

Eines vorneweg: Skirmish und Multiplayer sind für mich aktuell kein so großes Thema, ich meide schon länger kompetitive Spiele, da sie mich stark stressen und ich Spiele primär zur Entspannung spiele.

Ich hatte nicht erwartet, dass der Skirmish Modus ein Update bekommt, aber offenkundig wurde die KI überarbeitet: die spielt jetzt nämlich aus dem Multiplayer bekannte Build-Orders und Strategien, davor hat sie ziemlich wahllos alle Einheiten, die ihr zur Verfügung standen gebaut.

Der Multiplayer ist aktuell die größten Baustelle. Die versprochene Kompatibilität mit der Classic-Version wurden dadurch gelöst, dass einfach jeder Reforged bekommt. Wer seinen Client von CD installiert, dann im Spiel auf "Battle.net" klick bekommt ein 30GB "Update", was Reforged ist. Einziger Unterschied: der Reforged-Modus ist gesperrt, man kann nur mit Classic-Grafik und -Kampagne spielen. Die alten Multiplayer-Server wurden abgeschaltet.
In der aktuellen Version fehlen aber wichtige Features: zum Release gab es kein vernünftiges Matchmaking, es wurden scheinbar wahllos Spieler zusammengeworfen, unabhängig von ihrer Spielstärke. So ein ELO oder MMR-System ist jetzt wirklich nichts neues und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es so schwer zu implementieren ist, zumal es vorher eines gab und Reforged keine große Revolution im Vergleich zur letzten Version war. Mittlerweile ist auch eine Version davon aktiv, aber noch etwas rudimentär implementiert, aber funktioniert wohl. Da aber auch Spielerprofile fehlen konnte es keiner so genau sagen, ohne Kommunikation der Entwickler gab es nur Mutmaßungen, die bis heute anhalten.
Abseits davon gibts es Probleme mit Custom Maps, die nicht mehr kompatibel sind oder unter Performance-Problemen leiden. Da ich keine davon gespielt habe, kann ich dazu nichts sagen, aber das User-Feedback sagt mir: da liegt noch das eine oder andere im Argen.

Fazit

Screenshot: Hin und wieder wird es unübersichtlich, die Kamera ist sehr nahe am Geschehen
Hin und wieder wird es unübersichtlich, die Kamera ist sehr nahe am Geschehen

Es ist bei diesem Zustand wirklich schwer ein Fazit zu ziehen. Fakt ist: WarCraft 3 ist für mich ein fantastisches Spiel und eines der besten Echtzeitstrategiespiele, die es jemals gab. Daran ändert auch Reforged nichts. Speziell die Kampagne ist heute noch eine Messlatte, an der sich neue Genrevertreter messen müssen. Aber auch im Multiplayer und Skirmish macht es einfach Spaß. Trotzdem bin ich vom Remaster enttäuscht.
Wenn ich mir aber ansehe, wie groß der Sprung zum Original war, dann muss ich sagen: nicht groß. Er befindet sich ungefähr auf dem Niveau von StarCraft Remastered, und was ich davon halte ist ja bekannt. Im Endeffekt wurde nur die Modelle und Texturen neu gestaltet, und das größtenteils auch sehr gut. Aber die aktuellen technischen Probleme und das etwas komische, weil umständliche Hauptmenü sind alles andere als ideal.
Die einzelnen Missionen der Kampagne, die signifikant überarbeitet wurden zeigen nur, was möglich gewesen wäre, selbst wenn man die ursprünglich angekündigten Neuerungen außer acht lässt. Der Multiplayer ist aktuell in einem erbärmlichen Zustand, weil wichtige Features abseits des Spiels schlicht fehlen. Dazu gibt es kaum Kommunikation, ob und wie und wann das nochmal was wird, weiß niemand so genau. Es wirkt auf mich insgesamt lieblos und blieb für mich letztlich als Remaster deutlich unter meinen eh schon gesenkten Erwartungen.
Zuletzt stört mich noch der Preis: Zur Ankündigung mit der deutlich überarbeiteten Kampagne wurden auch direkt Vorbestellungen freigeschaltet. Ich will hier jetzt nicht über den Sinn und Unsinn von Vorbestellungen sinieren, aber es ist ein gutes Beispiel warum man es nicht tun sollte: seitdem wurden Features gestrichen, aber der Preis blieb gleich. Hier wäre eine Senkung des Preises eine fairer Zug von Blizzard gewesen.

Dann stellt sich die Frage: wem kann man WarCraft 3 Reforged nun empfehlen? Eine klare Aussage kann ich nicht machen, es hängt davon ab, was man spielen will und wie die persönliche Vorgeschichte mit dem Spiel ist.
Wer WarCraft 3 nicht kennt und nur die Kampagne nachholen will fährt mit Reforged nicht schlecht, weil der Kern des Spiels immer noch bestens funktioniert. Zwar finde ich die 30€ gesalzen, aber leider verlangt Blizzard schon lange Preise an der oberen Kante des Spektrums und senkt sie nur sehr langsam, Sales gibt es nur einmal im Jahr. Eine wirkliche Alternative hat man auch nicht, eine alte Retail-Version von WarCraft 3 ist nur noch sehr schwer zu bekommen und ich denke, deren Preise dürften die nächste Zeit steigen – und wirklich viel weniger als 30€ kostete das Paket aus dem Grundspiel Reign of Chaos und dem Addon The Thrones Throne auch nicht.
Wer WarCraft 3 bereits hat kann seine CD-Keys bei Blizzard registrieren (sofern nicht schon geschehen) und Reforged im Classic-Modus spielen, dann muss man nur auf die neuen Modelle und die überarbeiteten Karten verzichten. Hat man einen Client mit Version 1.31 gesichert kann man auch den weiter verwenden, da ist der Unterschied noch kleiner, für den ein oder anderen ist die alte Sprachausgabe sogar ein Pluspunkt. Dazu kann man von Usern erstellte Kampagnen weiter spielen, ich gehe aber davon aus, dass diese Funktion in einer späteren Version wieder aktiviert wird.
Wer primär am Multiplayer-Modus interessiert ist, egal ob Custom Games oder das kompetitive Spiel, hat aktuell allgemein schlechte Karten: Reforged fehlen essentielle Features, aber eine richtige Alternative gibt es nicht, da der alte Client abgesägt wurde und Drittanbieter Lösungen wie W3Arena oder Netease nicht so einfach Verfügbar sind. Wer es bereits hat kann erstmal mit Reforged im Classic-Modus weiter spielen, mehr außer die neuen Modelle bekäme man sowieso nicht.

Der Shitstorm

Da der Abschnitt hier mir viel zu groß wurde und auch deutlich vom Thema hier abwich, habe ich meine Gedanken zu dem Shitstorm, der nach dem Release auf Blizzard einprasselte in einen eigenen Artikel verschoben.

Gesamtfazit

Title. Links: Age of Empires 2 HD Promo. Rechts: Ending Screen Artwort für Blizzcon Demo of WarCraft 3 Reforged von Ken Wong
Links: Age of Empires 2 HD Promo. Rechts: Ending Screen Artwort für Blizzcon Demo of WarCraft 3 Reforged von Ken Wong

Eigentlich ist der Vergleich nicht ganz fair, da zwischen beiden Spielen einige Jahre lagen. Für WarCraft 3 wäre Age of Mythology, welches im selben Jahr erschien, eigentlich der direkt Konkurrent, aber davon gibt es keine Remaster-Version, zumindest nicht im selben Umfang.

Aber hier geht es primär darum, wie sich diese Spiele als Remaster schlagen und da ist für mich die Sache klar: der Punkt geht klar an Microsoft und Forgotten Empires. Aus Remaster-Gesichtspunkten ist Age of Empires 2: Definitive Edition der klar größere Sprung, neben überarbeiteten Assets ist es vor allem das neue Interface und die komfortableren Multiplayer-Features, die für mich den Unterschied machen. Dazu liefern sie noch neuen Content mit und das alles zu einem fairen Preis. Nicht zu vergessen den riesigen Umfang, den das Spiel schon in der HD-Version von 2013 bot, die es immer noch zum Kauf gibt und läuft. Es lief zwar nicht alles Rund zum Release, aber die Entwickler haben einen klaren Fahrplan und gehen recht transparent mit der Community um.
Blizzard steht dagegen aktuell schlecht da, nicht nur was die Userschaft angeht. Neben den neuen Modellen und Texturen gibt es in WarCraft 3 Reforged einfach zu wenig: das Interface ist quasi unverändert, die einzelnen Kampagnen-Missionen, die überarbeitet wurden zeigen zwar das Potential, mehr aber auch nicht. Gänzlich neue Inhalte gibt es sowieso nicht. Der Multiplayer ist in einem erbärmlichen Zustand für ein Spiel im Jahr 2020. Und das schlimmste: wer kein Backup angelegt hat, bekommt Zwangsweise Reforged, was vor allem für die Multiplayer-Community kein Zustand ist, die alte Version wurde ohne Ankündigung und Kommentarlos abgeschaltet. Allgemein ist die mangelnde Kommunikation Blizzards größtes Problem und wohl der Auslöser für den Shitstorm. Andererseits ist WarCraft 3 immer noch ein fantastisches Spiel, daran ändert auch Reforged nichts. Aber als Remaster liefert es viel zu wenig und wirkt allgemein lieblos.

Aussicht

Zuerst zu den beiden Kandidaten: Microsoft und Forgotten Empires haben bereits monatliche Patches angekündigt und bisher haben sie auch geliefert. Gut, es waren erst zwei, die wurden aber durchweg positiv von der Community aufgenommen. Es gab zwar auch Probleme, aber die schlimmsten wurden durch Hotfixes schnell behoben, alle anderen dann in den großen Patches. Sie nehmen sich sogar noch die Zeit, die Definitive Edition des ersten Teils zu pflegen, wenn auch weit weniger häufig.
Blizzard muss deutlich nachlegen, wenn sie die Userschaft zurückgewinnen wollen, da ist sehr viel Erde verbrannt. Sie haben zwar ein Statement veröffentlicht, aber das hat noch niemanden zufrieden gestellt. Es gibt keinen konkreten Plan, nur wage Versprechen dass vor allem die fehlenden Multiplayer Features noch nachgeliefert werden. Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, das Spiel erst auf dem Markt zu werfen, wenn die auch drin sind, auch wenn es noch 2-3 Monate gedauert hätte. Aber selbst damit dürften sie nicht alle Wogen glätten, da die Kampagne unangetastet bleibt. Ihr zurückrudern in diese Hinsicht war viel zu schlecht kommuniziert.

Ansonsten will Microsoft dieses Jahr bereits die dritte Runde einläuten, mit der Definitive Edition von Age of Empires 3. Die macht das australische Studio Tantalus Media. Im Februar soll die Beta dazu starten, mehr Infos oder gar Bilder gibt es aber noch nicht.
Bei Blizzard gibt es keine weiteres Echtzeitstrategiespiel zu remasteren, und in Anbetracht des Zustands von Reforged ist fraglich, ob sie sich wirklich direkt in ein mögliches zu Diablo 2 stürzten. Die älteren WarCraft-Teile gibt es mittlerweile bei GOG zu kaufen, aber inhaltlich unverändert, nur technisch soweit angepasst, dass sie auf modernen Systemen laufen.
Etwas überraschend hat EA letztes Jahr schon bekannt gegeben, dass 2020 ein Remaster vom ersten Command & Conquer sowie Red Alert kommen soll. Es entsteht bei Petroglyph, einem Studio dass aus den Resten von Westwood entstand, also den ursprünglichen Machern von Command & Conquer. Es gibt bisher nur ein paar einzelne Bilder, die eher in die Kategorie von Age of Empires: Definitive Edition passen, also hochaufgelöste 2D-Grafiken. Mehr weiß man noch nicht, da bleibt abzuwarten was es wird. Bei EA kann man sich schließlich nie ganz sicher sein…

Age of Empires 4

Von anderen Remaster bekannter Titel weiß ich aktuell nichts. Allgemein ist Echtzeitstratgie ein ziemliches Nischengenre geworden. Ich könnte jetzt einen kompletten Artikel darüber schreiben, warum, ziemlich viel davon wurde aber schon in einem Video der GameStar abgedeckt. Evtl. kommt irgendwann was eigenes von mir, aber da mein Backlog groß ist, dürfte das so schnell nichts werden.

An neuen Spielen sticht natürlich Age of Empires 4 heraus, da gab es bisher aber auch nur so wenig zu sehen, dass ich damit vor 2021 nicht rechne, auch wenn das was ich gesehen haben durchaus Lust auf mehr macht. Aber auch kleinere Titel wie Iron Harvest habe zumindest im Hinterkopf.